Zeit 06.02.2026
13:17 Uhr

Social Media: EU fordert Tiktok zu Änderung "süchtig machender" Funktionen auf


Die Video-App Tiktok birgt der EU zufolge Suchtgefahr und kann die Gesundheit ihrer Nutzer beeinträchtigen. Ein Vorschlag sieht vor, unendliches Scrollen abzuschaffen.

Social Media: EU fordert Tiktok zu Änderung
Die EU hat die Social-Media-App TikTok aufgefordert, die "süchtig machende" Funktionsweise der Videoplattform zu ändern. Erste Untersuchungsergebnisse zeigten, dass TikTok nicht ausreichend berücksichtige, "wie diese süchtig machenden Funktionen die körperliche und psychische Gesundheit seiner Nutzer" beeinträchtigen können, teilte die EU-Kommission mit. Die Gestaltung von TikTok "belohne" die Nutzer ständig mit neuen Inhalten und fördere dadurch den Drang, weiter zu scrollen. Das versetze das Gehirn in einen "Autopilot-Modus" und könne zu zwanghaftem Verhalten führen sowie die Selbstkontrolle der Nutzer beeinträchtigen. Kein unendliches Scrollen und mehr Pausen In der vorläufigen Untersuchung fordert die Kommission unter anderem folgende Anpassungen: Abschaffung des unendlichen Scrollens: Damit ist gemeint, dass beim Scrollen in einem Dienst ständig neue Inhalte geladen werden, ohne dass der Nutzer zu Pausen gezwungen ist. Die Einführung wirksamer "Bildschirmzeitpausen": TikTok hole Nutzer derzeit auch nachts, wenn sie nicht online seien, mit Benachrichtigungen immer wieder auf die Plattform zurück. Derzeitige Zeit-Beschränkungen innerhalb der App seien außerdem leicht zu umgehen. Die Anpassung des hochgradig personalisierten Empfehlungssystems Eine Sprecherin der zum chinesischen Konzern ByteDance gehörenden Plattform bezeichnete die EU-Sichtweise auf TikTok als "kategorisch falsch und völlig haltlos". "Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um diese Ergebnisse mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln anzufechten", sagte sie. Die EU hatte die Untersuchung bereits im Februar 2024 eingeleitet. TikTok hat die Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen, und könnte theoretisch auch Änderungen an seinen Funktionen vornehmen, um die Bedenken der EU auszuräumen. Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, könnte es für TikTok teuer werden. Die EU-Kommission könnte dann formell einen Verstoß gegen das sogenannte Gesetz über digitale Dienste, den Digital Services Act, feststellen und eine Strafe verhängen. Diese könnte sich auf bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes belaufen. Social-Media-Nutzung mit 13 Jahren möglich In Australien gilt seit Dezember ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige . In der EU muss man derzeit 13 Jahre alt sein, um soziale Medien zu nutzen: Ab diesem Alter können Jugendliche auch der Nutzung ihrer Daten zustimmen. So schreibt auch TikTok vor, dass Jugendliche mindestens 13 Jahre alt sein müssen, um einen Account anzulegen. Einige Länder wollen aber strengere Regeln : Die französische Nationalversammlung stimmte etwa für ein Nutzungsverbot sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Doch darüber muss noch in der anderen Parlamentskammer abgestimmt werden. Das Europäische Parlament sprach sich derweil vergangenes Jahr mit deutlicher Mehrheit für die Forderung nach einem EU-weiten Mindestalter von 16 Jahren aus. Der verabschiedete Bericht hat aber bislang keine bindende Wirkung. Von der EU-Kommission kam bisher kein Vorschlag zu einer Altersgrenze.