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26.01.2026
12:57 Uhr
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2018 sorgte in der Slowakei die Ermordung des Enthüllungsjournalisten Kuciak für Entsetzen. Der mutmaßliche Auftraggeber, ein Unternehmer, steht erneut vor Gericht.

In der Slowakei hat ein neuer Prozess um die Ermordung des Investigativjournalisten Ján Kuciak begonnen. Vor Gericht in Pezinok, nördlich von Bratislava, steht erneut der mutmaßliche Auftraggeber des Verbrechens. Zwar wurde der Unternehmer Marián Kočner bereits zweimal von dem Vorwurf freigesprochen, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Allerdings hob das Oberste Gericht der Slowakei beide Freisprüche auf. Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová waren 2018 zu Hause erschossen worden . Der 27-jährige Enthüllungsjournalist hatte zu korrupten Strukturen in der slowakischen Regierung sowie zu Verbindungen slowakischer Politiker zur italienischen Mafia recherchiert. In diesem Zusammenhang befasste er sich auch mit den Geschäften des Millionärs Kočner sowie seiner Verbindung zu hochrangigen Politikern. Der Mord an Kuciak und Kušnírová hatte eine politische Krise und Massendemonstrationen in dem EU-Land ausgelöst. Infolge der Demonstrationen – den größten seit dem Ende des Kommunismus – trat der damalige Ministerpräsident Robert Fico zurück, seit 2023 ist er jedoch erneut Regierungschef. Auch weit über die Slowakei hinaus sorgte der Doppelmord für Entsetzen. "Europa blickt auf die Slowakei" Der 62-jährige Kočner hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bislang bestritten. Für den neuen Prozess sind zunächst 43 Verhandlungstage angesetzt. Kočners Anwalt teilte vor Prozessbeginn mit, er gehe nicht davon aus, dass sein Mandant, der "in der Vergangenheit wiederholt seine Unschuld beteuert hat", seine Haltung ändern wird. Die 51-jährige Alena Zsuzsová, damalige Assistentin und mutmaßliche Komplizin Kočners, muss sich ebenfalls erneut vor Gericht verantworten. Drei weitere Personen waren wegen des Mords bereits verurteilt worden – unter ihnen zwei Auftragsmörder, die Haftstrafen von jeweils 25 Jahren verbüßen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) forderte das Gericht vor der Neuverhandlung auf, "aus den Fehlern der vorherigen Prozesse zu lernen" und Beweise gründlich zu prüfen. "Dies ist eine neue Chance, ein Verbrechen aufzuarbeiten, das die Pressefreiheit in der Slowakei und in Europa erschüttert hat", sagte Pavol Szalai, Direktor des RSF-Büros in Prag. "Wir fordern das Gericht auf, unabhängig im Rahmen des Gesetzes zu urteilen. Europa blickt auf die Slowakei." Urteile von 2020 und 2023 wurden aufgehoben Kočner und Zsuzsová waren 2020 erstmals freigesprochen worden. Der Oberste slowakische Gerichtshof hob die Entscheidung jedoch wegen Verfahrensfehlern auf. 2023 wurde Kočner erneut freigesprochen , Zsuzsová hingegen zu 25 Jahren Haft verurteilt. Doch 2025 hob das Oberste Gericht in Bratislava auch diese Urteile auf und ordnete eine weitere Verhandlung des Falls an. Zur Begründung hieß es, es seien "nicht alle erforderlichen Beweise geprüft worden". Beide Beschuldigten verbüßen derzeit langjährige Haftstrafen wegen anderer Vergehen. Kočner war 2020 unter anderem wegen Urkundenfälschung zu 19 Jahren Haft verurteilt worden, Zsuzsová erhielt wegen der Beteiligung an einem Mord an einem Bürgermeister eine 21-jährige Haftstrafe.