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19.02.2026
09:53 Uhr
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Auf wie viele verschiedene Arten kann man sich an einem Berg so richtig quälen? Die neue olympische Sportart Skibergsteigen hat darauf eine Antwort. Der Olympiatag

Über wen reden heute alle? Über die Geschlagenen. Für das deutsche Eishockeyteam der Männer rund um den NHL-Star Leon Draisaitl endet die olympische Reise im Viertelfinale. Sie scheiterten, wie schon 2022, an den Slowaken. Wieder eine Vier-Tore-Niederlage. Immerhin zeigten sich die Spieler als Olympiasieger in Selbstkritik. Sie bemängelten die eigene Defensivleistung und dass sie es nie geschafft hätten, die Qualität ihrer Einzelspieler zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Es reicht eben nicht, auf dem Papier die bessere Mannschaft zu sein, schreibt mein Kollege Christof Siemes . Noch tragischer scheiterte Lena Dürr. Die Slalomfahrerin lag nach dem ersten Durchgang auf einem aussichtsreichen zweiten Platz. Und dann kam der zweite Lauf. Beziehungsweise: Hätte kommen sollen. Denn Dürr war kaum gestartet, da war es auch schon vorbei. Direkt am ersten Tor fädelte sie ein und schied aus. "Ein Albtraum", schreibt mein Kollege Nico Horn . Und zwar ein wiederkehrender. Schon vor vier Jahren hatte Dürr nach einem starken ersten Lauf eine Medaille verpasst. Was wird heute wichtig? Skibergsteigen oder Skimountaineering, was gleich ganz anders klingt. Diese Sportart für Sisyphosse ist zum ersten Mal olympisch. Deshalb hier einmal ganz von vorne erklärt: Zuerst geht es auf Skiern mit rutschfesten Belägen den Berg rauf, dann spurten die Sportler ohne Skier nur in Skischuhen eine Art Treppe nach oben, als wäre Rocky ein Wintersportfilm. Und wenn sie endlich oben angekommen sind und Oberschenkel und Lungen brennen, schnallen sie sich die Skier wieder an (diesmal ohne bremsenden Belag) und fahren den Berg direkt wieder runter. Auf der offiziellen Olympiaseite heißt es, die Sportart kombiniere "Ausdauer und Technik des Langlaufs, präzise Wechsel der Wettkampfmodi wie im Biathlon und die taktische Dynamik des Skicross". Klingt natürlich besser als "drei verschiedene Arten, sich an einem Berg möglichst doll zu quälen". Da man sich ja aber bekanntlich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen muss, freuen sich die Skibergsteiger und Skibergsteigerinnen heute sicherlich über ihr Olympiadebüt. Für Deutschland gehen Tatjana Paller und Helena Euringer um 9.50 Uhr in der Qualifikationsrunde an den Start, sowie Finn Hösch um 10.30 Uhr. Die Siegchancen sind nicht ganz so dünn wie die für Rocky in Teil eins der Filmreihe, aber Medaillenfavoriten sind andere, zum Beispiel die Doppelweltmeister Marianne Fatton aus der Schweiz und Oriol Cardona Coll aus Spanien. Was machen die Deutschen? Sein erstes olympisches Rennen hatte Finn Sonnekalb sich anders vorgestellt. "Bescheiden" sei der Lauf gewesen, sagte der 18-jährige Eisschnellläufer im Interview mit der Sportschau . Man ahnt, dass da nach dem "Sch" eigentlich was anderes folgen sollte. Es habe vor allem an der ebenfalls bescheidenen Vorbereitung gelegen. Denn pünktlich zu Olympia wurde Sonnekalb krank. Ein Halskratzen nach der Eröffnungsfeier wurde zu einer ausgewachsenen Grippe – Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Fieber, das volle Programm. Gerade so schaffte er es zum 1.000-Meter-Finale aufs Eis und wurde Zwölfter. Das ist jetzt eine gute Woche her. Der Infekt ist hoffentlich weg, die Nervosität vielleicht auch ein bisschen kleiner. Gute Voraussetzungen dafür, dass Sonnekalb heute um 16.30 Uhr über die 1.500 Meter doch noch ein beschwingtes Olympiaerlebnis hat. Auch die Nordischen Kombinierer Vinzenz Geiger und Johannes Rydzek hatten einen eher bescheidenen Start in die Olympischen Spiele – und haben heute die Möglichkeit auf ein versöhnliches Ende. Nach enttäuschenden Einzelwettbewerben gehen sie im Teamsprint gemeinsam an den Start. Um 10 Uhr wird gesprungen, um 14 Uhr gelaufen und am Ende hoffentlich gejubelt.