Zeit 25.11.2025
04:04 Uhr

Sicherheitspolitik: Mehrheit der Deutschen lehnt militärische Führungsrolle in Europa ab


Sollte die Bundesrepublik in Europa militärisch stärker führen? "Eher nein", sagen 61 Prozent der Deutschen. Die meisten finden aber höhere Verteidigungsausgaben richtig.

Sicherheitspolitik: Mehrheit der Deutschen lehnt militärische Führungsrolle in Europa ab
Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland lehnt eine militärische Führungsrolle der Bundesrepublik in Europa ab. Das zeigt eine neue Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Körber-Stiftung. Auf die Frage, ob Deutschland militärisch in Europa stärker führen sollte, antworteten 61 Prozent der Befragten mit "eher nein" und nur 38 Prozent mit "eher ja". Mit 75 Prozent fiel die Ablehnung in Ostdeutschland besonders hoch aus, im Westen lag sie bei 58 Prozent. Zwiegespalten sind die Menschen hierzulande bei der Frage, ob Deutschland mehr Verantwortung übernehmen und sich in internationalen Krisen stärker engagieren – oder sich im Gegenteil mehr zurückhalten sollte. Für mehr Engagement stimmten 48 Prozent, für mehr Zurückhaltung 43 Prozent. Auch hier gab es klare Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Im Westen plädierten 51 Prozent für mehr Engagement, im Osten nur 35 Prozent. Dafür votieren in Ostdeutschland 52 Prozent für mehr Zurückhaltung, im Westen nur 42 Prozent. Wenn schon mehr Engagement, dann sollte dies aus Sicht der allermeisten Menschen in erster Linie diplomatisch sein. Für einen größeren diplomatischen Einsatz stimmten 71 Prozent der Befragten in Westdeutschland und 84 Prozent derjenigen im Osten. Mehr militärisches Engagement wünschten sich nur knapp ein Fünftel der Westdeutschen und 7 Prozent der Ostdeutschen. Forsa ermittelte für die Stiftung die Meinung der Bevölkerung zu wichtigen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Dabei gaben 76 Prozent der Befragten an, sie interessierten sich stark bis sehr stark für diese Themen. Frankreich gilt als Partner, nicht die USA Die Umfrage zeigt eine deutliche Verschlechterung der Stimmung gegenüber den USA seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump . Drei Viertel der Befragten (73 Prozent) beurteilten die Beziehungen zu den USA als schlecht. Ein Jahr zuvor – da war Joe Biden noch US-Präsident – bewerteten noch ähnlich viele Menschen (75 Prozent) das Verhältnis als gut. Bei der Frage nach dem wichtigsten außenpolitischen Partner Deutschlands rangieren die USA mit 26 Prozent mit weitem Abstand hinter Frankreich , das auf 46 Prozent kommt. Das Vertrauen in die USA in einzelnen Politikfeldern ist ebenfalls gering. So halten nur 38 Prozent der Deutschen die USA für einen Partner im Umgang mit dem Ukrainekrieg, für 58 Prozent sind die USA in der Hinsicht kein Partner. Im Umgang mit China halten 31 Prozent die USA für einen Partner, 63 Prozent dagegen nicht. Und bei der Förderung des freien Handels setzen 21 Prozent auf die USA, 76 Prozent jedoch nicht. Für grundsätzlich richtig hielten es 72 Prozent der Befragten, dass Deutschland in den kommenden zehn Jahren seine Verteidigungsausgaben in etwa verdoppeln will. 27 Prozent sahen das als grundsätzlich nicht richtig an. Für die nach Angaben der Körber-Stiftung repräsentative Umfrage hatte Forsa zwischen dem 15. und 26. September 1.503 Wahlberechtigte in Deutschland befragt.