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06.03.2026
13:34 Uhr
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Eigentlich wollte Island erst 2027 über eine EU-Mitgliedschaft abstimmen. Nun wird der Volksentscheid aufgrund der geopolitischen Spannungen vorgezogen.

Die isländische Regierung will die Bevölkerung am 29. August über einen ersten Schritt zum Beitritt zur Europäischen Union abstimmen lassen. Damit werde ein ursprünglich bis spätestens 2027 geplanter Volksentscheid vorgezogen, teilte die Regierung mit. Sie werde den Vorschlag in der kommenden Woche dem Parlament vorstellen, sagte die isländische Außenministerin Katrin Gunnarsdottir. Als Gründe für die Annäherung gelten die geopolitischen Spannungen durch den Krieg gegen die Ukraine sowie wiederholte Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das zwischen Island und den USA gelegene Grönland zu annektieren. Zweistufiges Verfahren Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos nannte Island gegenüber der Nachrichtenagentur AFP einen bereits "starken und strategischen Partner". In einer Welt konkurrierender Einflussbereiche biete die EU-Mitgliedschat "einen Anker in einem Block, der auf Werten, Wohlstand und Sicherheit basiert", betonte Kos. Vorgesehen ist ein zweistufiges Verfahren. Im Sommer soll zunächst über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen abgestimmt werden. Sollten diese erfolgreich abgeschlossen werden, müssen die Isländerinnen und Isländer in einem zweiten Referendum über den tatsächlichen Beitritt entscheiden. Beitrittsgespräche vor wenigen Jahren Der nordwesteuropäische Inselstaat ist seit 1949 Mitglied der Nato. Unter dem Eindruck der Finanzkrise 2009 hatte sich das Land um einen Beitritt zur EU beworben. Die Verhandlungen begannen ein Jahr später, wurden aber 2013 nach Parlamentswahlen zunächst ausgesetzt und 2015 schließlich von der damaligen Regierung in Reykjavik aufgekündigt. Umfragen zufolge befürwortet eine Mehrheit inzwischen eine Annäherung an die EU. Neben der Sicherheitslage haben zuletzt auch gestiegene Lebenshaltungskosten die Stimmung auf der Nordatlantik-Insel mit ihren knapp 400.000 Einwohnern gedreht.