|
10.02.2026
16:30 Uhr
|
In Frankreich wird gegen einen Mann ermittelt, der als Nachhilfelehrer jahrzehntelang Jungen missbraucht haben soll. Ein Teil der Taten soll in Deutschland passiert sein.

Die französische Justiz wirft einem 79 Jahre alten Mann vor, über Jahrzehnte hinweg insgesamt 89 Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Der Mann soll dafür seine Stellung als Nachhilfelehrer ausgenutzt haben. Die Staatsanwaltschaft in Grenoble im Südosten Frankreichs teilte mit, dass die mutmaßlichen Opfer zu den Tatzeitpunkten zwischen 13 und 17 Jahren alt gewesen seien. Die Taten soll der Mann hauptsächlich in Frankreich, Deutschland und der Schweiz begangen haben. Aber auch Taten auf den Philippinen, in Indien, Marokko, Kolumbien und dem französischen Überseegebiet Neukaledonien werden ihm angelastet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fand der Neffe des mutmaßlichen Täters bei ihm einen USB-Stick, auf dem Aufzeichnungen und Fotos der missbrauchten Jungen gespeichert gewesen seien. Der Tatverdächtige, der aus Annecy stamme und zuletzt in Marokko gelebt habe, sei daraufhin bereits im Jahr 2024 bei einem Besuch seiner Familie in Frankreich festgenommen worden. Während der Ermittlungen habe der Mann zudem gestanden, seine krebskranke Mutter im Endstadium der Krankheit sowie eine 92-jährige Tante getötet zu haben. Beide Frauen habe er mithilfe eines Kissens erstickt. Die Zahl der Missbrauchsopfer ergebe sich aus seinen Aufzeichnungen, die die Ermittler auf dem USB-Stick fanden. Die Taten geschahen laut Staatsanwaltschaft zwischen 1967 und 2022. In Deutschland hat der Jugendbetreuer nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen 1965 und 1969 sowie zwischen 1985 und 1996 gearbeitet. In der Schweiz hatte er Arbeitseinsätze zwischen 1965 und 1980 sowie zwischen 1985 und 1996. Ermittler suchen weitere Opfer Auf die Frage, warum der Fall nicht früher bekannt gegeben wurde, antwortete Staatsanwalt Etienne Manteaux, dass es sich um einen "ungewöhnlichen" Fall handle. Die Staatsanwaltschaft habe sich zunächst von den Fakten überzeugen und die Opfer identifizieren wollen. Dies sei jedoch nicht in allen Fällen gelungen, bisher seien erst 40 der Jungen namentlich bekannt. Die Staatsanwaltschaft entschied sich, den Namen des Tatverdächtigen zu veröffentlichen, was nicht üblich ist. Der Mann heißt Jacques Leveugle. Das habe man getan, damit weitere mögliche Opfer sich melden könnten, sagte Manteaux. Die Tötung seiner Mutter und seiner Tante hat der Mann laut Staatsanwaltschaft auch in seinen Aufzeichnungen festgehalten. Er habe sein Handeln damit gerechtfertigt, dass beide Opfer am Ende ihres Lebens gewesen seien und dass er sich für sich dasselbe wünsche, wenn er sich in einer ähnlichen Situation befände.