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02.01.2026
14:34 Uhr
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Warum konnten nicht mehr Menschen vor dem Brand in Crans-Montana flüchten? Die Regierung im Wallis hat eine Theorie: Das Feuer könnte sich schlagartig ausgebreitet haben.

Die Regierung des Schweizer Kantons Wallis geht davon aus, dass es bei dem Brand in einer Bar in Crans-Montana zu einem sogenannten "Flashover" gekommen sein könnte. "In der Silvesternacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar 2026 kam es in der Bar Le Constellation in Crans-Montana infolge eines Brandes zu einem Flashover, der eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte und zahlreiche Tote und Verletzte forderte", hieß es in der Mitteilung des Staatsrats, der Regierung des Kantons. Eine Quelle für diese These wurde nicht genannt. Die ermittelnde Staatsanwältin Beatrice Pilloud sagte später, der gesamte Raum habe Feuer gefangen und das habe zu einer Explosion geführt. Bislang gibt es keine gesicherten Erkenntnisse über die Brandursache. Die Flashover-Theorie könnte aber erklären, warum so viele Menschen bei dem Brand starben und nicht flüchten konnten. Eine Feuerwalze, die alles gleichzeitig in Brand steckt Bei einem Flashover geht ein Brand schlagartig von der Entstehungs- in die Vollbrandphase über. Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz erklärte das Phänomen im ARD-Brennpunkt so: Unter der Decke sammele sich Hitze, dieser Wärmestau werde heißer und heißer. Alle brennbaren Materialien in dem betroffenen Raum würden dann irgendwann chemisch zersetzt und bildeten bestimmte Gase. "Bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird", sagte Barz. In kurzer Zeit steige die Temperatur auf etwa 1.000 bis 1.200 Grad. Zusätzlich falle der Sauerstoffgehalt auf unter vier Prozent. Selbst für Feuerwehrleute stelle das eine schwierige Situation dar. Für Menschen ohne Schutzkleidung sei sie nicht zu überleben. Mindestens 40 Tote und 115 Verletzte In der Silvesternacht waren bei dem Brand in einer Bar mit Hunderten größtenteils jungen Feiernden mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen , 115 weitere wurden verletzt. 80 bis 100 Verletzte befinden sich weiter in kritischem Zustand. Die auf Brandopfer spezialisierten Kliniken und Intensivstationen in der Schweiz sind stark ausgelastet. Daher wurden Verletzte zur Behandlung auch in Nachbarländer ausgeflogen. Eines der Brandopfer wird in einer Stuttgarter Fachklinik behandelt. Unter den Verletzten sind vor allem junge Menschen. Details sind bislang kaum bekannt. Laut dem italienischen Außenminister Antonio Tajani wurden zwischen 12 und 15 Italiener bei dem Feuer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert. Etwa 16 Italiener würden vermisst. Tajani ist nach Crans-Montana gereist, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Der französische Fußball-Erstligist FC Metz gab bekannt, dass der Nachwuchsspieler Tahirys Dos Santos unter den Verletzten sei. Nach Angaben des Klubs wurde der 19-Jährige mit schweren Verbrennungen per Hubschrauber nach Deutschland geflogen, wo er derzeit behandelt wird. Informationen über mögliche deutsche Tote oder Verletzte lagen bisher nicht vor. Die Schweizer Behörden gehen von einem Unfall aus. Medienberichten zufolge könnte Lärmschutzmaterial an der Kellerdecke Feuer gefangen haben, als feiernde Menschen mit auf Champagnerflaschen gesteckten Wunderkerzen hantierten. Der Brand gilt als einer der schlimmsten Unfälle in der Geschichte der Schweiz .