Zeit 27.11.2025
19:50 Uhr

Schüsse auf Nationalgardisten: Verdächtiger Schütze arbeitete in Afghanistan mit CIA zusammen


Der mutmaßliche Schütze, der Nationalgardisten in Washington angegriffen haben soll, arbeitete im Ausland zuvor mit der CIA zusammen. So konnte er in die USA einreisen.

Schüsse auf Nationalgardisten: Verdächtiger Schütze arbeitete in Afghanistan mit CIA zusammen
Der Verdächtige im Fall des Angriffs auf zwei Nationalgardisten hat vor seiner Einreise in die USA in Afghanistan mit der US-Regierung und dem Geheimdienst CIA zusammengearbeitet. Der Afghane habe "einer Partnertruppe" in Kandahar angehört, teilte CIA-Direktor John Ratcliffe mit. Welche Tätigkeit er konkret ausübte, sagte Ratcliffe nicht. Die Arbeitsbeziehung sei aber kurz nach der "chaotischen Evakuierung" der US-Truppen aus Afghanistan im Jahr 2021 beendet worden. Der 29-jährige Verdächtige kam Behördenangaben zufolge 2021 im Rahmen eines Programms der US-Regierung in das Land. Es sah die Evakuierung Zehntausender Afghaninnen und Afghanen nach dem Rückzug des US-Militärs aus Afghanistan vor. Rund 76.000 Menschen wurden in die USA geholt, von denen viele US-Soldaten und Diplomaten als Dolmetscher und Übersetzer unterstützt hatten. Der Verdächtige erhielt im April 2025 Asyl – drei Monate nachdem Trump als US-Präsident bestätigt wurde. Er soll keine Vorstrafen gehabt und im Bundesstaat Washington gelebt haben. Vor der Tat sei er quer durchs Land gefahren, sagte Ratcliffe. Nach dem Angriff in der Hauptstadt Washington am Mittwoch teilten Bürgermeisterin Muriel Bowser und FBI-Chef Kash Patel mit, die Soldaten würden mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus behandelt. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Opfern um eine 20-jährige Frau und einen 24-jährigen Mann. Der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, hatte zunächst auf der Plattform X geschrieben, dass die beiden aus seinem Bundesstaat stammenden Nationalgardisten ihren Verletzungen erlegen seien, korrigierte sich jedoch später. Nationalgardisten waren auf Patrouille Die beiden Nationalgardisten befanden sich nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs der Hauptstadt, Jeff Carroll, auf einer "sehr sichtbaren" Patrouille, als der mutmaßliche Schütze Ermittlerangaben zufolge um eine Ecke auf die Nationalgardisten zukam und direkt auf diese schoss. Weitere Nationalgardisten und Polizeikräfte der Hauptstadt überwältigten den Schützen dann, wobei dieser angeschossen wurde, und nahmen ihn fest. Weitere Verdächtige gibt es laut den Ermittlern nicht. Trump hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht im Weißen Haus, sondern auf seinem Golfplatz in West Palm Beach im US-Bundesstaat Florida auf. Das FBI nahm die Ermittlungen auf, da es sich bei den Angeschossenen um Bundesbeamte handelt, und arbeitet eigenen Angaben zufolge mit Secret Service und Innenministerium zusammen. Wie Patel mitteilte, ermitteln die Behörden wegen Terrorverdachts. Das FBI teilte später mit, in Washington und San Diego mehrere Wohnungen durchsucht zu haben. Justizministerin Pam Bondi lehnte es ab, sich zum Zustand der beiden Opfer zu äußern. Dem Sender Fox News sagte sie lediglich, sie seien operiert worden. Was dem Verdächtigen zur Last gelegt werde, hänge von der "Prognose" der Nationalgardisten ab. Wenn es eine Entwicklung gebe, werde sie das schnell mitteilen. "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die Todesstrafe für dieses Monster zu erreichen." Polizeiangaben zufolge handelte es sich um einen gezielten Hinterhalt. Die Bürgermeisterin von Washington, D. C. Muriel Bowser sagte: "Das waren gezielte Schüsse." Über das Motiv des Täters ist noch nichts bekannt. Trump verschärft Asylpolitik Trump sprach von einem "Terrorakt" : "Dieser abscheuliche Angriff war ein Akt des Bösen, ein Akt des Hasses und ein Akt des Terrors." Den Vorfall nutzte der US-Präsident, um seine Asylpolitik weiter zu verschärfen. Er kündigte an, alle Afghanen, die unter seinem demokratischen Amtsvorgänger Joe Biden über dessen Aufnahmeprogramm für afghanische Ortskräfte oder anderweitig in die USA eingewandert waren, erneut überprüfen zu lassen. Zudem teilte die US-Einwanderungsbehörde auf X mit , die Bearbeitung aller Einwanderungsanträge afghanischer Staatsangehöriger werde mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. US-Vizepräsident JD Vance kündigte auf X an, die "Anstrengungen zu verdoppeln, Leute ohne das Recht, in unserem Land zu sein, zu deportieren". Harte Migrationspolitik sei angebracht. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte an, die Nationalgardisten in der Hauptstadt aufzustocken. Zu den stationierten 2.000 Nationalgardisten in Washington, D. C. sollen nach dem Vorfall noch weitere 500 dazukommen. US-Regierung fordert Aussetzen von Richterentscheidung Trump hatte im August die Entsendung von mehr als 2.000 Nationalgardisten nach Washington, D. C. angeordnet und dies damit begründet, die Hauptstadt bekomme die Kriminalität nicht unter Kontrolle. Kriminalitätsstatistiken stützen diese Darstellung nicht. Washington war juristisch gegen die Stationierung vorgegangen. Eine Bundesrichterin hatte den Einsatz daraufhin für unrechtmäßig erklärt und sein Ende angeordnet. Die Anordnung bleibt jedoch bis zum 11. Dezember außer Kraft, um der Trump-Regierung die Möglichkeit einzuräumen, in Berufung zu gehen. Die Regierung forderte nun, die Entscheidung der Bundesrichterin zur Stationierung der Nationalgarde ganz auszusetzen. Die Nationalgarden der US-Bundesstaaten sind militärische Reserveeinheiten und Teil der US-Streitkräfte. Sie stehen normalerweise unter der Kontrolle der Bundesstaaten und kommen etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder anderen Notlagen zum Einsatz. In bestimmten Situationen kann jedoch auch der US-Präsident das Kommando übernehmen. Für den Hauptstadtbezirk Washington, D. C. gelten dabei Sonderregeln.