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28.01.2026
07:55 Uhr
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Premierministerin Sanae Takaichi hat Neuwahlen in Japan ausgerufen. Sie setzt auf ihre Popularität, gerade bei den Jungen. Und doch gibt es ein Risiko.

So viel Tempo gab es in der japanischen Politik lange nicht. Gerade drei Monate im Amt , löste Premierministerin Sanae Takaichi Ende voriger Woche das Unterhaus in Tokio auf und rief zum 8. Februar Neuwahlen aus. Der Zeitpunkt dafür scheint günstig für sie zu sein. In Umfragen steht die Regierungschefin glänzend da: 76 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit ihres Kabinetts einverstanden – eine Zustimmung, von der die behäbigen Herren, die ihr im Amt vorangingen, nur träumen konnten. Jetzt will die erste Frau an der Spitze einer japanischen Regierung die eigene Popularität auf ihre Partei übertragen. Sie möchte sich ein Mandat beschaffen, das auf dem Willen des Volkes beruht, nicht nur auf dem Willen der Parteioberen, die sie im Oktober auf ihren Posten hoben. "Können Sie mir die Leitung Japans anvertrauen? Ich will, dass das japanische Volk darüber eine Entscheidung trifft." So begründete Takaichi ihren Wunsch nach Neuwahlen. Die seit gut 70 Jahren mit kurzen Unterbrechungen regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) verfügt im Unterhaus gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner, der weit rechts stehenden Fortschrittspartei (Nippon Ishin no Kai), nur über die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme. Bis zu 90 Prozent Zustimmung bei 18- bis 29-Jährigen Auch die LDP selbst vollzog mit der Wahl der 64 Jahre alten Sanae Takaichi einen Schwenk nach rechts. Takaichi, deren Mentor der ehemalige Premier Shinzo Abe war, steht für eine konservative Gesellschaftspolitik, eine rasche Aufrüstung der Streitkräfte, einen harten Kurs gegen Einwanderer und den Ausbau der Atomkraft. Dennoch ist Takaichi gerade bei den jungen Japanerinnen und Japanern populär. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen erreicht sie Zustimmungswerte bis zu 90 Prozent. Die frühere Fernsehmoderatorin erweckt bei den Jungen offenbar den Eindruck, in der alternden und schrumpfenden japanischen Gesellschaft gehe es mit ihr endlich wieder voran. Wenn die bevorstehende Wahl dennoch nicht ohne Risiko für Takaichi ist, dann weil sich gegen das regierende Rechtsbündnis ein neuer Block der Mitte gegründet hat. Die pazifistische Komeito, 26 Jahre lang Regierungspartner der LDP, hat zusammen mit der Konstitutionell-Demokratischen Partei Japans, der bisher größten Oppositionspartei, die "Zentristische Reformallianz" geformt. Doch wie überall in den westlichen Industrienationen schlägt auch in Japan das politische Pendel derzeit eher zugunsten des nationalkonservativen Lagers aus. Deshalb könnte das Kalkül der Regierungschefin aufgehen und die "Eiserne Lady" Takaichi, die Großbritanniens neoliberale Premierministerin Margaret Thatcher ihr Vorbild nennt, als Siegerin aus der Wahl hervorgehen. Kaum im Amt, hat sie sich mit China angelegt Sie wolle "arbeiten, arbeiten, arbeiten, arbeiten, arbeiten!", hat sie den Japanern zu Beginn ihrer Regierung versprochen. Und tatsächlich ist es mit der Ruhe seither vorbei. Auch in der Außenpolitik. Kaum im Amt, legte sich Takaichi mit dem mächtigen China an . Anfang November im Parlament von einem Oppositionsabgeordneten nach Taiwan gefragt, erklärte sie, ein chinesischer Angriff auf die Insel könnte für Japan zu einer "existenziellen Bedrohung" werden. Die unausgesprochene Schlussfolgerung: Nach den seit 2015 geltenden Regeln für eine "kollektive Selbstverteidigung" könnte Japan – möglicherweise an der Seite der USA – in einen Krieg mit China um Taiwan eintreten. Inhaltlich war das nicht neu. Aber noch nie hatte ein japanischer Premier diese Möglichkeit so offen angedeutet. Entsprechend empört reagierte die Regierung in Peking auf Takaichis "irrige Bemerkungen". Sie schränkte Importe aus Japan ein, warnte vor Reisen ins Nachbarland und führte demonstrativ Luft- und Seemanöver in der Nähe von Okinawa und den zwischen beiden Ländern umstrittenen Senkaku-Inseln durch. Die Staatsmedien werfen Japan "Militarismus" und "historischen Revisionismus" vor.