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06.10.2026
22:30 Uhr
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Ein Polizist soll einem 14-Jährigen bei Protesten eine Tränengasgranate ins Gesicht geschossen haben. Die Staatsanwaltschaft sieht keine Voraussetzungen für Notwehr.

In Frankreich wurde gegen einen Polizisten wegen seines Vorgehens gegen einen Jugendlichen bei Schülerprotesten Anklage erhoben. Er soll während der Schülerproteste in Frankreich aus nächster Nähe eine Tränengasgranate auf einen 14-Jährigen abgefeuert haben. Der Beamte sei nach dem Vorfall in Saint-Ouen-l'Aumône nordwestlich von Paris nicht in Untersuchungshaft genommen, sondern unter richterliche Aufsicht gestellt worden, teilte ein örtlicher Staatsanwalt mit. Der Schüler verlor nach Angaben der Staatsanwaltschaft durch die Tränengasgranate einen Großteil seiner Zähne und habe einen gebrochenen Kiefer. Im Internet geteilte Videos des Vorfalls zeigen drei Polizisten mit Helmen, die dem 14-Jährigen gegenüberstehen. Einer von ihnen schlägt den Jugendlichen, der ihn daraufhin tritt. Dann fliegt die Tränengasgranate ins Gesicht des Jungen, der zu Boden stürzt. Staatsanwaltschaft spricht von unverhältnismäßiger Gewalt Der angeklagte Polizist sagte dem Staatsanwalt von Pontoise, Guirec Le Bras, er habe die Waffe als Reaktion auf den »Widerstand« des 14-Jährigen eingesetzt. Laut Le Bras waren jedoch »die Voraussetzungen für Notwehr nicht erfüllt«. Zum Einsatz der Granate habe »die Verhältnismäßigkeit gefehlt«. Das Vergehen könne mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden, sagte der Staatsanwalt weiter. Die Mutter des verletzten Jungen hatte am Montag gesagt, dieser könne seinen Kiefer nicht öffnen, nicht sprechen und müsse durch einen Strohhalm Nahrung zu sich nehmen. Seine oberen Zähne seien gebrochen, die unteren Zähne seien herausgerissen worden. Die Polizei hatte während der landesweiten, teils gewalttätigen Schülerproteste Tränengas und andere Mittel eingesetzt, um die von ihr als »städtische Gewalt« bezeichnete Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Gewerkschaften, Menschenrechtsgruppen und viele der Schülerinnen und Schüler warfen der Polizei die Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt vor. Hunderttausende Menschen bei Protesten Nach Angaben des Innenministeriums wurden auch am Dienstag bei landesweiten Protesten wieder mindestens 488 Menschen festgenommen und 43 Sicherheitskräfte verletzt. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass die Proteste vorwiegend friedlich verlaufen seien, es jedoch vereinzelt zu Zusammenstößen gekommen sei. Dabei warfen die Demonstrierenden mit Gegenständen, woraufhin die Polizei Tränengas einsetzte. Die Schüler blockieren seit Mitte September landesweit den Zugang zu Hunderten Schulen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Konkret fordern sie unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen. Zugleich scheint sich bei den Protesten eine allgemeine Wut angesichts von Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und fehlenden Perspektiven Bahn zu brechen. Macron beruft Krisensitzung ein Laut dem Innenministerium demonstrierten am Dienstag erneut rund 256.000 Menschen in zahlreichen Städten. Seit vergangener Woche habe es mindestens 6.547 Festnahmen gegeben. Nach Angaben der Schülergewerkschaft blieben mehr als die Hälfte der Gymnasien geschlossen oder wurden blockiert. Ministerpräsident Sébastien Lecornu sprach von den gewalttätigsten Protesten seit Jahrzehnten. Präsident Emmanuel Macron berief ein Krisentreffen ein. Lecornu wies die Minister an, Vorschläge zur Lösung der Probleme bis Ende Oktober vorzulegen. Unter anderem sollen der Ausfall von Lehrkräften verringert und die Sanierung maroder Gebäude angegangen werden. Die Suche nach finanziellen Mitteln dürfte sich jedoch schwierig gestalten: Frankreich kämpft mit einem hohen Haushaltsdefizit und schwachem Wachstum.