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06.10.2026
13:11 Uhr
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Historische Wahl: Erstmals stellt die AfD einen Landtagspräsidenten. Tobias Rausch wurde mit 48 Stimmen gewählt – neun Stimmen mehr, als die AfD-Fraktion Mandate hat.

Die AfD stellt erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik einen Landtagspräsidenten. Der 35-jährige Tobias Rausch wurde bei der konstituierenden Sitzung in Magdeburg im ersten Wahlgang in das Amt gewählt. Auf ihn entfielen 48 von 82 abgegebenen Stimmen. Die AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt verfügt über 39 Mandate . Das BSW, das auf fünf Mandate kommt, hatte zuvor angekündigt, Rauschs Wahl zu unterstützen. Abgeordnete aus mindestens einer weiteren Fraktion müssen Rausch also ebenfalls gewählt haben. Im Landtag sitzen auch die Fraktionen von CDU, Linken und Grünen. Für die Wahl zum Landtagspräsidenten war eine einfache Mehrheit nötig. Erwartet worden war, dass Rausch 44 Stimmen erhalten würde – alle Stimmen seiner eigenen Fraktion sowie die fünf Stimmen des BSW. Unklar ist, aus welchen Fraktionen die übrigen vier Stimmen für Rausch kamen. Die Wahl fand geheim statt. »Brandmauern sollten der Vergangenheit angehören« Rausch hatte vor der Wahl betont, »kein Hardliner« zu sein . Auch in seiner ersten Rede nach der Wahl gab er sich versöhnlich. »Ich werde dieses Amt nicht als Präsident einer Fraktion führen, sondern ich werde es als Präsident des gesamten Landtages von Sachsen-Anhalt führen.« In seiner Rede kritisierte er den bisherigen Umgang mit der AfD und forderte: »Die Zeiten von politischen Brandmauern sollten der Vergangenheit angehören.« Rausch erhielt für seine Rede Applaus aus seiner eigenen Fraktion und den Reihen des BSW. Abgeordnete aus den anderen Fraktionen klatschten nicht. Schlüsselfigur der Vetternaffäre Rausch übernimmt das Amt von Gunnar Schellenberger (CDU) und ist der zehnte Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung. Der gelernte Immobilienkaufmann wurde im bayerischen Mellrichstadt geboren. Er kandidierte bereits 2014 für die AfD bei der Europawahl. Dem Landtag in Magdeburg gehört er seit 2016 an; seit 2021 ist er Parlamentarischer Geschäftsführer der dortigen AfD-Fraktion. Rausch gilt als enger Vertrauter von Ulrich Siegmund, der sich im Dezember der Wahl zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt stellen will. Der neue Landtagspräsident gehört zu den Schlüsselfiguren der Affäre um die Anstellung von Familienangehörigen bei AfD-Abgeordneten . Mehrere seiner Geschwister sowie ein Schwager waren oder sind den Vorwürfen zufolge bei AfD-Bundestagsabgeordneten angestellt. Rausch selbst hat zudem bestätigt, mehrere Spieler seines Fußballvereins in seinem Abgeordnetenbüro beschäftigt zu haben. Die AfD war aus der Landtagswahl am 6. September als klare Siegerin hervorgegangen, hatte eine absolute Mehrheit aber verfehlt. Die Landesverfassungsschutzbehörde stuft die AfD in Sachsen-Anhalt als »gesichert rechtsextremistische Bestrebung« ein. Verfolgen Sie alle Entwicklungen zur konstituierenden Sitzung des Landtages auch in unserem Liveblog.