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20.01.2026
09:14 Uhr
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Medien berichten von einer "Schnee-Apokalypse": Auf Kamtschatka sind Menschen von Schneemassen teils eingeschlossen, es gibt Versorgungsengpässe. Grund ist ein Zyklon.

Eisige Temperaturen und Schneemassen mit teils tödlichen Folgen prägen derzeit weite Teile Russlands. Besonders angespannt ist die Lage auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka. Dort erleben die Menschen derzeit einen Jahrhundertwinter. Seit Tagen gilt in der Pazifikregion der Ausnahmezustand. Russische Medien berichten von einer "Schnee-Apokalypse" mit eingeschneiten Häusern und Autos, Versorgungsengpässen und auch Toten. In der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden laut Behörden zwei Männer von Schneemassen erschlagen, die von Dächern gestürzt waren. Meteorologen sprechen von den schwersten Schneefällen seit etwa 30 Jahren. Binnen weniger Tage fiel so viel Schnee wie sonst in Monaten. Auch Studierende und Soldaten sind im Einsatz, um Menschen in Not zu helfen. Teils sind Bewohnerinnen von den Schneemassen eingesperrt gewesen; besonders ältere Menschen konnten sich nicht selbst befreien. Helfer schaufeln eingeschneite Häuser frei Die tagelangen Niederschläge vorige Woche brachten stellenweise bis zu fünf Meter hohe Schneeverwehungen an Häusern, wie Medien berichteten und Videos zeigten. "Nicht alle können solch eine Situation alleine durchstehen", sagt der Student Pawel Scherebkin in einem Video des lokalen Nachrichtenportals Kamtschatka Sergodnja, während er die Wege zu Häusern freischaufelt. Aber täglich kämen mehr Helfer hinzu. "Wir kommen mit den Folgen des Zyklons klar." Wissenschaftlern zufolge sind die extremen Bedingungen auf wiederkehrende Zyklone über dem Pazifik zurückzuführen, die große Mengen an Feuchtigkeit mit sich bringen. Durch die kalte Luft und die komplexen geografischen Gegebenheiten Kamtschatkas verwandelt sich diese Feuchtigkeit in reichlich schweren Schnee. In sozialen Netzwerken kursieren Dutzende Videos von den teils bedrohlichen Zuständen. Zu sehen ist etwa eine Frau, die ihr Fenster öffnet und sich mit einem Eimer durch den Schnee gräbt, die eisige Masse kippt sie in die Badewanne. In einem anderen Clip sitzen zwei Männer in einem Auto unter einem meterhohen Schneeteppich. Sie haben sich einen langen Tunnel zu dem Fahrzeug gegraben. Ein anderes Video zeigt einen Mann, der einen Schneeberg herunterrutscht, um den Eingang eines Supermarktes zu erreichen. Viel zu sehen sind auch Gebäude, an denen nicht nur der Eingang, sondern auch die ersten Etagen eingeschneit sind. Teils verließen Menschen ihre Wohnungen über das Fenster, wenn sie sich nicht selbst befreien konnten von den Massen, wie örtliche Medien berichteten. Gouverneur räumt Versorgungsengpässe ein Gouverneur Wladimir Solodow ordnete bei einer Krisensitzung nach Klagen über Chaos und Versorgungsengpässe an, rasch wichtige Straßen und Kreuzungen freizuräumen. Die Lage sei kritisch, sagte er. Es müssten Hauseingänge zugänglich gemacht und der Müll abtransportiert werden. Auch Ampeln und Verkehrsschilder müssen demnach frei geschippt werden. Er rechnet damit, dass die Arbeiten noch Tage dauern. In seinem Telegram-Kanal zeigte sich Solodow bei einem Besuch in einem Supermarkt. Seit Tagen gebe es vor allem Probleme mit Obst und Gemüse, weil keine Lieferautos fahren könnten oder Gewächshäuser eingeschneit seien, heißt es. Der Politiker muss sich Berichte über Hamsterkäufe anhören. Teils hätten Leute 120 Brötchen auf einmal gekauft, um sie dann anderswo gewinnbringend weiterzuverkaufen, habe ihm der Leiter des Supermarktes erzählt. "Der vorübergehende Mangel an einigen Waren in einigen Geschäften ist ausschließlich auf den Zustand der Infrastruktur zurückzuführen", sagte der Gouverneur. Betroffen seien kleine Läden. Sobald die Zufahrten und Eingänge freigeschaufelt seien, seien auch wieder Lieferungen möglich. Die Produktion der Lebensmittel laufe jedenfalls ununterbrochen. Wetterlage bleibt brisant Die Lage bleibt angespannt, bei tiefen Minustemperaturen. Schulen sind geschlossen und haben teils auf Fernunterricht umgestellt. Räumfahrzeuge fahren rund um die Uhr Einsätze, um die letzten Straßen freizubekommen. Auch in der Hauptstadt Moskau, die ebenfalls Rekordmengen an Niederschlag verzeichnete, sind bis heute Helfer auf Dächern unterwegs, um den Schnee eines Jahrhundertschneesturms Anfang Januar wegzuschaufeln. Entspannung ist nicht in Sicht. Für die kommende Woche kündigen Meteorologen für die Hauptstadt auch noch Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius an.