Zeit 24.02.2026
13:42 Uhr

Rita Süssmuth: Deutscher Bundestag würdigt Rita Süssmuth mit Trauerstaatsakt


Sie war erste Frauenministerin Deutschlands und lange Bundestagspräsidentin: Im Bundestag hat das politische Berlin Abschied von CDU-Politkerin Rita Süssmuth genommen.

Rita Süssmuth: Deutscher Bundestag würdigt Rita Süssmuth mit Trauerstaatsakt
Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist mit einem Trauerstaatsakt im Deutschen Bundestag gewürdigt worden. In ihrer Rede bezeichnete Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ihre Vorgängerin als "prägende politische Figur Deutschlands". Süssmuth habe gesellschaftliche Debatten bestimmt, sagte Klöckner. "Sie war eine Politikerin, die gesellschaftliche Fragen früher erkannte als andere. Sie wartete nicht, bis Debatten bequem wurden. Sie scheute keine Tabus – auch dann nicht, wenn der Gegenwind auch mal aus den eigenen Reihen kam." Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte Süssmuth eine "Ausnahmepolitikerin". Sie habe "das Gesicht der Bundesrepublik geprägt" – als erste Frauenministerin, als Bildungspolitikerin, als Gesundheitspolitikerin, als Bundestagspräsidentin, als Abgeordnete der CDU . Süssmuth sei fachlich exzellent und in allen ihren Ämtern und Funktionen beharrlich und streitbar sowie "ziemlich oft ziemlich unbequem" gewesen, auch für seine Partei. "In vielen Fragen – vielleicht in den meisten – hat die Geschichte ihr recht gegeben", sagte der Kanzler. "Sie war eben ihrer Zeit in mancher Hinsicht voraus. In ihrem Beharren auf eine moderne Familienpolitik etwa. Auf eine Arbeitsmarktpolitik, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärkt. In ihrer wegweisenden Aids-Politik ." Auf Wunsch der Verstorbenen sprach im Bundestag auch der Journalist und Autor Heribert Prantl. Er würdigte Süssmuth als eine "Möglichmacherin". Sie habe "Unmögliches möglich gemacht", sagte Prantl, sei mutig und leidenschaftlich gewesen und habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besessen. Dabei sei sie menschenfreundlich gewesen und habe eine Herzenswärme ausgestrahlt. Süssmuth habe sich über moralische Herabsetzungen hinweggesetzt und sei für ungewollt Schwangere und Homosexuelle eingetreten. Als sie entgegen der Parteilinie für eine Liberalisierung der Abtreibungsregelung eingetreten sei, habe sich die gläubige Katholikin auch den Zorn katholischer Bischöfe zugezogen, sagte Prantl. Unter den Anwesenden waren auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz. Vor dem Trauerstaatsakt im Deutschen Bundestag hatte es am Vormittag einen ökumenischen Gottesdienst in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale gegeben. Klöckner, Prantl und Merz würdigen Süssmuths Umgang mit der Aids-Krise Süssmuth war Anfang Februar im Alter von 88 Jahren gestorben und wurde bereits in ihrer Heimatstadt Neuss in Nordrhein-Westfalen beigesetzt. Sie gehörte dem Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin . Von 1985 bis 1988 war sie unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) Bundesfamilienministerin. Die Professorin für Erziehungswissenschaften war als Seiteneinsteigerin in die Politik gekommen. Als Kohl sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Ministerin berief, war sie weitgehend unbekannt. Sie wurde aber schnell populär. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in ihrer eigenen Partei weit voraus und eckte immer wieder an. Alle drei Redner erinnerten an Süssmuths Kampf gegen die Aids-Krise. Sie habe sich gegen moralische Ausgrenzung und Verurteilung der Betroffenen gestemmt und der damaligen Vorstellung widersprochen, die Krankheit sei eine Strafe, sagte etwa Julia Klöckner. "Nicht den Betroffenen sagte sie den Kampf an, sondern der Krankheit." Als Bundestagspräsidentin habe sie die Möglichkeiten des Amtes neu definiert. "Rita Süssmuth hat unser Parlament als moralische Institution gestärkt."