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27.02.2026
16:54 Uhr
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Mit "Requiem" erscheint der mittlerweile neunte Teil der Horrorspielreihe "Resident Evil". Es ist ein Best-of der bisherigen Spiele – und macht damit alles richtig.

Die Stromkosten bleiben hoch, aber dafür gibt es nun endlich eine Lösung, und die heißt Resident Evil Requiem . Im neuen Teil der Survival-Horror-Reihe weisen mich die Zombies freundlicherweise darauf hin, das Licht auszuschalten, wenn ich den Raum verlasse. Das ist ein Problem. Denn in den schummrigen Gängen des Sanatoriums, einem der ersten Level in Requiem , ist es ohne Deckenlampe stockfinster. Schalte ich es ein, kommen die Untoten angewankt und stöhnen "Licht aus". Es müsste Resident Evil Light Switch heißen. Das neue Resident Evil heißt aber Requiem. Wenn Sie jetzt an Mozart oder Totenmessen denken, muss ich Sie enttäuschen. Beide gibt's im Spiel nicht, dafür aber Bravo Hits mit Zombies. Denn damit wirklich allen Fans der sehr unterschiedlichen Resident-Evil -Spiele etwas geboten wird, hat das japanische Entwicklerstudio Capcom einfach mehrere Serienteile in einen gepackt. Requiem kombiniert Schleichspiel und Actionspiel. Wie auf der Nullerjahre-Maxi-CD ist nicht jeder Track gut, als Komplettpaket funktioniert das Spiel aber sehr gut. Requiem beginnt ohne Zombies, dafür mit einer neuen Spielfigur, der FBI-Agentin Grace Ashcroft. Sie soll ein verfallenes Hotel untersuchen, in dem vor ein paar Jahren ihre Mutter ermordet wurde. Weil es in den Arbeitsverträgen der Requiem -Ermittlungsbehörden offenbar keine Befangenheitsklauseln gibt, macht sich Ashcroft selbst auf den Weg. Und der geht nicht durch Zombiehorden, sondern erst mal durch den Feierabendverkehr: Die Hochbahn rattert und wütende Taxifahrer hupen um die Wette. Das ist trotz Stau richtig schön: Passantinnen und Passanten spiegeln sich in Pfützen, Plakatierer plakatieren Plakate und Regentropfen verdampfen auf knallroten Neonreklamen. Requiem ist auf leistungsstarken Rechnern aktuell eines der schönsten Spiele. Grace Ashcroft ist ein Containerschiff Sie werden es geahnt haben: Im alten Hotel stimmt etwas nicht. Ashcroft wird entführt, und zwar von einem zwielichtigen Doktor namens Victor Gideon. Das ist ein Typ mit schlechten Zähnen, langen Beinen und einem fetten Nachtsichtgerät. Er verschleppt Ashcroft in seine Nervenheilanstalt; aber statt Nerven zu heilen, verwandelt der Doktor dort Menschen in Zombies. In den nächsten Stunden versucht man, aus dem Gemäuer zu entkommen. Dieser Abschnitt erinnert an den Vorgänger Village: Durch die Flure des Sanatoriums steuert man Ashcroft aus der Ego-Perspektive. Und diese Flure sind richtig Furcht einflößend. Das liegt an der riesigen Oma, die durch die Gänge streift. Oder dem Koch, der früher Hühnerkeulen und jetzt Menschen zerhackt. Eine einigermaßen begabte Opernsängerin schreit der FBI-Agentin ins Gesicht. Mit Schlüsselkarten und Rätseln erschließt man sich allmählich alle Räume der Heilanstalt. Darunter sind blutgetränkte Speisesäle und schummerige Casinos, die durch die fantastische Lichtstimmung fotorealistisch aussehen. Der Spielablauf ist klassischer Survival-Horror: Ashcroft hat in ihrem Rucksack nur wenig Platz für Gegenstände wie Heilpflanzen und Munition, weshalb sie an den Monstern vorbeischleichen muss. Offenbar praktiziert Doktor Gideon noch den Aderlass, überall in der Heilanstalt stehen blutgefüllte Eimer herum. Mit einem Blutentnahmegerät kann Ashcroft deren Inhalt aufsaugen und daraus Molotowcocktails und Spritzen, die Zombies explodieren lassen, zusammenbasteln. Wie man aus Blut Brandsätze bauen soll? Fragen Sie das bitte die Entwickler von Capcom. Von den Spritzen lassen sich allerdings nur wenige herstellen, wodurch man mit Ashcroft nie zu stark wird. Außerdem steuert sich die Dame so agil wie ein Containerschiff, wodurch manche Schleichpassagen so zäh sind, dass auch ich bald in eine Nervenheilanstalt möchte. Bevor es zu nervig wird, wechselt Requiem die Spielfigur und plötzlich liefert man sich als Leon S. Kennedy Kettensägenduelle mit einem Zombiedoktor. Serienfans kennen Kennedy aus dem vierten Teil, der Agent ist Ashcroft in die Heilanstalt gefolgt. Der Mann ist ähnlich unfit wie Mozart, als er sein Requiem schrieb: Falten und Augenringe zeichnen sein Gesicht. Kein Wunder, schließlich erlebt der Mann bereits seine dritte Zombieinvasion … Zum Glück hat er seinen Aktenkoffer dabei. Darin transportiert er Schrotflinten und Gewehre, verteilt wie Chuck Norris Roundhouse-Kicks und schießt sich den Weg durch das Sanatorium. Leon S. Kennedy, das Maskottchen Kennedy steuert man standardmäßig aus der Schulterperspektive, bei beiden Spielfiguren lässt sich die Perspektive aber auch wechseln. Anders als bei Ashcroft lohnt es sich, mit ihm alle Zombies zu töten. Mit einem sogenannten Tactical Tracker erhält Kennedy für jeden Kill Punkte, die sich an speziellen Kisten gegen neue Waffen, Items oder Upgrades eintauschen lassen. Das spielt sich angenehm flott. In der knapp 15-stündigen Geschichte, die mehrere Spieldurchläufe belohnt, erkundet man mit Kennedy neben dem Sanatorium auch das zerstörte Raccoon City, die wichtigste Stadt aus den Vorgängerspielen. Sie sieht im Vergleich zum Sanatorium fad aus, die weitläufigen Außenbereiche sind oft matschbraun und langweiliger als das verschachtelte Sanatorium. Besonders Action-Fans wird Requiem glücklich machen, denn die Spielpassagen mit Actionheld Kennedy sind länger als die mit Schleichagentin Ashcroft. Vielleicht ist Kennedys Screentime auch so groß, weil Capcom ihn für allerlei Werbedeals nutzt: Er fährt einen sympathischen Porsche Cayenne GT (Listenpreis ca. 200.000 Euro), dazu trägt er eine Hamilton-Armbanduhr, die sehr enthusiastische Fans auch für schlappe 2.000 Euro nachkaufen können. In der exklusiv in Japan erhältlichen Collector's Edition des Spiels liegt die Uhr nicht bei, dafür eine Ashcroft-Acrylfigur. Ich hätte ja ein Blutdruckmessgerät passender gefunden. Die Luxusprodukte wirken wie Fremdkörper in der dystopischen Zombiewelt. Zum Glück trägt Ashcroft keine Handtasche von Louis Vuitton. Dass man im Jahr 2026 wieder einen Typen spielt, der eine wehrlose Blondine rettet, wirkt überholt. Eine Lösung wäre es, die Rollen der Figuren zu tauschen. Das haben Fans mit selbst entwickelten Mods schon für ältere Teile gemacht. Dann ist Leon S. Kennedy auch einmal in Nöten . Davon darf sich Capcom für den nächsten Teil gerne inspirieren lassen. Denn unerhörte neue Tracks sollte man auf einer Bravo Hits nicht erwarten.