Zeit 08.12.2025
13:45 Uhr

Renten-Debatte: Arbeitgeber lehnen Vorschlag zu Renteneintritt nach Beitragsjahren ab


Nicht mit 67 in die Rente, sondern erst nach einer gewissen Zahl an Beitragsjahren? Der Vorschlag von Jens Südekum sorgt für viel Kritik, auch bei den Arbeitgebern.

Renten-Debatte: Arbeitgeber lehnen Vorschlag zu Renteneintritt nach Beitragsjahren ab
Ein neuer Vorstoß in der Rentendebatte von Ökonom Jens Südekum sorgt für viel Ablehnung. Der Arbeitgeberverband BDA lehnte den Vorschlag, die Rente künftig an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln, als falsch ab. "Der von Bas unterstützte Vorschlag eines einzelnen Beraters ist eine Neuauflage der Rente mit 63 unter einer neuen Überschrift. Dieses war falsch, bleibt falsch – und wird auch zukünftig unter einer neuen Überschrift falsch", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der Nachrichtenagentur dpa. Bei der sogenannten "Rente mit 63" ist die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren gemeint, die zunächst ab einem Alter von 63 möglich war. CDU -Generalsekretär Carsten Linnemann hält den Vorschlag hingegen für diskussionswürdig. Die von der Regierung geplante Rentenkommission müsse jetzt ohne Denkverbote arbeiten, sagte Linnemann den Zeitungen der Funke Mediengruppe . "Die Überlegung, das Renteneintrittsalter an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln, gehört da sicherlich dazu." Linke mit Kritik, Grüne zurückhaltend Die Linke im Bundestag kritisierte den Vorschlag als "Spaltung der Beschäftigten". "Wer körperlich hart arbeitenden Menschen einen früheren Ruhestand ermöglichen will, rennt bei uns offene Türen ein", sagte die Linken-Fraktionsvize Nicole Gohlke. "Aber das darf nicht gegen diejenigen ausgespielt werden, die sich für ein Studium entschieden haben." Grünen -Fraktionschefin Britta Haßelmann kommentierte die Südekum-Idee zurückhaltend. "Jetzt muss es doch darum gehen, dass Menschen in der Lage sind, das Renteneintrittsalter von 67 Jahren überhaupt zu erreichen", sagte Haßelmann der Nachrichtenagentur AFP. Sie verwies dabei auf das derzeitige Renteneintrittsalter von im Schnitt 64,7 Jahren. "Damit die Menschen länger arbeiten können und wollen, sind Gesundheitsprävention , aber auch Umschulungs- und Weiterbildungsangebote notwendig." Fratzscher befürchtet Benachteiligung von Frauen Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) , Marcel Fratzscher, lehnte die Idee ebenfalls ab. "Der Vorschlag wird die Altersarmut nicht reduzieren, sondern Ungleichheiten verstärken", sagte der Ökonom der Rheinischen Post . Zudem werde der Vorschlag zu einem intensiven Streit über die Frage führen, "ob und wann Unterschiede im Renteneintrittsalter berechtigt sind oder nicht", sagte Fratzscher. Aus seiner Sicht würden auf diese Weise "Menschen und vor allem Frauen, die viele Jahre ehrenamtlich tätig waren oder sich um die Familie gekümmert haben, schlechter gestellt ". Bas will den Vorschlag in der Rentenkommission diskutieren Der Ökonom Südekum, der auch Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist, hatte sich dafür ausgesprochen, den Beginn der Rente nicht mehr mit dem Alter, sondern mit der Zahl der Beitragsjahre zu verknüpfen. Vor allem für Akademikerinnen und Akademiker könnte dies ein späteres Renteneintrittsalter bedeuten. "Die Lebensarbeitszeit ist eine Stellschraube, an die wir ran müssen, um die gesetzliche Rente zu sichern", sagte Südekum der Bild am Sonntag . "Für alle die Rente mit 70 ist aber falsch. Besser ist es, den Renteneintritt nicht an eine starre Alterszahl zu koppeln, sondern an eine Mindestanzahl von Beitragsjahren." Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte gesagt, sie könne der Idee "viel abgewinnen" . Bas kündigte eine Diskussion des Vorschlags in der geplanten Rentenkommission der Bundesregierung an. Der Bundestag hatte am vergangenen Freitag mit den Stimmen der Regierungskoalition ein Rentenpaket beschlossen .