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10.12.2025
15:58 Uhr
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Vor Gericht äußert sich Heinrich XIII. Prinz Reuß erstmals zu den Umsturzvorwürfen. Er sieht sich als Opfer von "Informationsterrorismus".

"Es geht gleich los, Entschuldigung." Als Heinrich XIII. Prinz Reuß nach 100 Prozesstagen das Wort ergreifen will, versagt ihm erst einmal die Stimme. Der 74-Jährige sitzt am Mittwochmorgen nicht wie sonst zwischen den anderen acht Angeklagten. Im schlichten grauen Sakko hat er am Zeugentisch in der Mitte der Leichtbauhalle Platz genommen, die das Frankfurter Oberlandesgericht eigens für diesen Prozess errichtet hat. Prinz Reuß will reden. Das Verfahren gegen den Frankfurter Immobilienunternehmer und seine mutmaßlichen Mitstreiter ist alles andere als Justizalltag. Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, einen gewaltsamen Umsturz vorbereitet zu haben. In der Sprache des Strafgesetzbuches: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens. Gleichzeitig wird seit Frühjahr 2024 gegen weitere mutmaßliche Verschwörer in Stuttgart und München verhandelt. Drei Mammutprozesse gleichzeitig – das ist für die Justiz ein Novum. Die meisten Angeklagten sitzen inzwischen seit drei Jahren in Untersuchungshaft. Als sich Prinz Reuß an diesem Dezembermorgen gesammelt hat, liest er seine Aussage vom Blatt ab. Er wirkt angegriffen, schmaler als früher. Gerne hätte er frei gesprochen, sagt er, aber es sei alles so komplex, dass er das nicht könne. Seine Kernbotschaften sind allerdings relativ simpel: "Ich bin kein Terrorist", sagt er. "Es gibt keine Gruppe Reuß." Nie habe er davon gesprochen, das Reichstagsgebäude und den darin tagenden Bundestag zu stürmen. "Ich selbst habe einen gewaltsamen Umsturz nicht vorbereitet und auch nicht geplant." In der 617 Seiten langen Anklage des Generalbundesanwalts liest sich das ganz anders. Sie wirft der mutmaßlichen Terrorgruppe vor, einen Sturm auf den Bundestag und militärische "Säuberungen" vorbereitet zu haben. Bei Durchsuchungen im Dezember vor drei Jahren fanden die Ermittler Waffen und Munition sowie Ausrüstung für sogenannte Heimatschutzkompanien. Prinz Reuß soll als künftiges Staatsoberhaupt auserkoren gewesen sein. Auch deshalb ist er als Rädelsführer der Gruppe angeklagt. Das Netzwerk um den betuchten Frankfurter Geschäftsmann war der Anklage zufolge nicht nur von der Reichsbürger-Ideologie getrieben, sondern auch von Verschwörungserzählungen. Prinz Reuß und seine Anhänger hätten geglaubt, die Geschicke der Welt würden von "pädophilen Eliten" kontrolliert. Rettung habe man sich von einer geheimnisvollen "Allianz" versprochen, einem "technisch überlegenen militärischen Geheimbund", der auch in Deutschland einmarschieren werde. Und tatsächlich gibt Prinz Reuß in seiner Erklärung eines zu: Er habe an die Existenz einer "Erdallianz" geglaubt, auch an unterirdische Bunker, in denen Kinder gefangen gehalten würden. "Ich räume ein, dass es ziemlich realitätsfern war, überhaupt an so etwas zu denken", trägt er im Gerichtssaal vor. Warum er es dennoch tat, könne er sich heute auch nicht mehr recht erklären. Er und andere Angeklagte seien Opfer eines "Informationsterrorismus" geworden, einer Desinformationskampagne.