Zeit 10.12.2025
13:46 Uhr

Reichsbürgerprozess: Prinz Reuß gesteht "unverzeihlichen Fehler" vor Gericht


Heinrich XIII. Prinz Reuß gilt als Rädelsführer im Prozess um mutmaßliche sogenannte Reichsbürger. Vor Gericht nennt er Pläne der Gruppe "irreal".

Reichsbürgerprozess: Prinz Reuß gesteht
Der als Rädelsführer eines Reichsbürgernetzwerks angeklagte Heinrich XIII. Prinz Reuß hat drei Jahre nach seiner Festnahme gestanden, dass er sich als Adeliger für das Netzwerk habe einspannen lassen. Er habe den "unverzeihlichen Fehler" gemacht, sich bereit zu erklären, einen "Friedensvertrag" mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs zu unterzeichnen, sagte Reuß vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Bei den sogenannten Ratstreffen der Vereinigung habe er "als Hausherr lediglich moderiert". Laut Bundesanwaltschaft wollte das Netzwerk mit einem Angriff auf den Bundestag und der Festnahme von Abgeordneten einen Umsturz erreichen. Anschließend sollte eine Übergangsregierung mit Reuß als provisorischem Staatsoberhaupt zur Unterzeichnung des "Friedensvertrags" eingesetzt werden. Vor Gericht sagte Reuß, fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sei ein solcher "Friedensschluss" in der derzeitigen politischen Weltordnung "nicht mehr notwendig und irreal". Einen angeklagten Sturm auf den Reichstag hätte er "für idiotisch" gehalten, er habe aber auch nie von solchen Plänen gehört. Reuß sagte, er sei 2020 von "sächsischen Patrioten" angesprochen worden. Diese seien der Auffassung gewesen, er allein könne aufgrund seiner adligen Herkunft einen "Friedensvertrag" unterzeichnen. Im Dezember 2022 waren Reuß und weitere führende Mitglieder des mutmaßlichen Reichsbürgernetzwerks festgenommen worden. In dem seit Mai 2024 laufenden Frankfurter Verfahren wollte er umfassend zu den Vorwürfen aussagen. Er hatte bereits kurz nach Prozessbeginn eine erste Aussage gemacht. Reuß bestreitet extremistische Ziele Vor Gericht bestritt Reuß in seiner knapp zweistündigen Erklärung mehrmals, einen gewaltsamen Umsturz geplant und vorbereitet zu haben. Zu einer laut Anklage geplanten Erstürmung des Reichstags habe er keine Informationen gehabt. Dazu habe keine reale Planung bestanden, sagte er. Durch dieses Nichtwissen stelle sich für ihn zudem die Frage, wie er der Anführer des Netzwerks hätte sein sollen. "Den Rädelsführer Reuß gibt es daher nicht", sagte er. Er habe zu keinem Zeitpunkt extremistische Ziele verfolgt oder die Bildung einer terroristischen Vereinigung veranlasst. Dass er sich dennoch mit der Gruppe in Verbindung gesetzt habe, sei "Neugier" gewesen. Es sei ihm aber schon vor seiner Festnahme klar geworden, dass er und andere belogen worden seien. "Durch diese Erkenntnisse gingen keine Aktivitäten mehr von mir aus", sagte Reuß. "Ich bin kein Terrorist und habe keine Terrorakte geplant. Ich war kein Terrorist und werde auch keiner sein", sagte er. Er sei strikter Gegner von Gewalt. Reuß soll sich zu weiteren Anklagepunkten äußern Reuß' Verteidiger kündigte weitere Haftprüfungsanträge an. Es gehe um die Verhältnismäßigkeit der Haftfortdauer in Anbetracht von Reuß' Alter von 74 Jahren, seiner tatsächlichen Rolle und der "Tatsache, dass schlussendlich keine wirkliche Straftat passiert ist", sagte der Anwalt. Zudem soll sich Reuß am kommenden Mittwoch weiter zu den Anklagepunkten äußern. Die ebenfalls angeklagte Lebensgefährtin von Reuß, Vitalia B., wurde Anfang Dezember aus der Untersuchungshaft entlassen, da es das Gericht als nicht mehr verhältnismäßig ansah. Die übrigen acht Angeklagten bleiben in Untersuchungshaft.