Zeit 22.02.2026
14:27 Uhr

Regisseur Abdallah Alkhatib: Israels Botschafter lobt Carsten Schneider für Berlinale-Protest


Nach israelkritischen Äußerungen des Regisseurs Alkhatib verließ Bundesumweltminister Schneider die Berlinale. Botschafter Ron Prosor lobt seine "moralische Klarheit".

Regisseur Abdallah Alkhatib: Israels Botschafter lobt Carsten Schneider für Berlinale-Protest
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat nach Angaben seines Ministeriums aus Protest gegen eine Rede die Preisverleihung der Berlinale am Samstagabend verlassen. Wie ein Sprecher des Bundesumweltministeriums mitteilte, waren die Äußerungen des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib der Anlass dazu. Dieser warf der Bundesregierung vor, "Partner des Völkermords in Gaza zu sein". Schneider halte diese Aussagen für "nicht akzeptabel" und habe deshalb die Veranstaltung während der Rede verlassen, sagte der Sprecher weiter. Nach Ministeriumsangaben war Schneider der einzige Vertreter der Bundesregierung bei der Auszeichnung, als Alkhatib sprach. Israels Botschafter lobt "moralische Klarheit" von Schneider Lob gab es für Schneiders Reaktion von Israels Botschafter Ron Prosor. "Respekt für Minister Schneider und seine moralische Klarheit", sagte er der Bild -Zeitung. Zugleich kritisierte er das Filmfestival in Berlin : Die Berlinale verspiele ihren guten Ruf, "wenn sie sich zur Bühne für Israelhasser macht", sagte Prosor. Mit Blick auf den Nahostkonflikt sagte er, die Hamas habe am 7. Oktober "einen Genozid vor laufender Kamera veranstaltet" und sei verantwortlich für das Leid im Gazastreifen. Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann kritisierte die Vorgänge bei der Preisverleihung auf der Berlinale heftig. Er sprach von "abstoßenden Szenen" und schrieb auf X von "Völkermord-Vorwürfen, antisemitischen Ausfällen und Drohungen gegen Deutschland". Das sei "absolut inakzeptabel", teilte Hoffmann mit. Filmschaffende kritisierten "Schweigen" der Berlinale zum Gazakrieg Alkhatib wurde an dem Abend für seinen Film Chronicles from the Siege ausgezeichnet, der von der Jury als bestes Spielfilmdebüt ausgewählt wurde. Der syrisch-palästinensische Regisseur nahm zu seiner Dankesrede eine palästinensische Flagge mit auf die Bühne und sagte, eines Tages werde es ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben. "Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war", sagte er. "Ein freies Palästina von jetzt bis ans Ende der Welt." Seine Aussagen wurden vom Publikum teils mit Beifall und teils mit Pfiffen quittiert. Jedoch war Alkhatib nicht der einzige, der den Gazakrieg bei der Preisverleihung thematisierte: So beklagte die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm Yawman ma walad ( Someday a Child ) ausgezeichnet wurde, dass der Waffenstillstand nicht eingehalten werde und zahlreiche Kinder im Libanon und in Gaza von israelischen Bomben bedroht würden. Zu Beginn des Abends war Festivalleiterin Tricia Tuttle auf die Kritik zahlreicher Filmschaffender an der Berlinale in Bezug auf den Gazakonflikt eingegangen. Kritik zu üben, sei Teil der Demokratie, sagte Tuttle. Ein Festival wie die Berlinale könne die Konflikte der Welt nicht lösen. "Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, für Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen." Mehr als 80 Filmschaffende, darunter Stars wie Javier Bardem und Tilda Swinton , hatten in einem offenen Brief das "Schweigen" der Berlinale zum Gazakrieg kritisiert.