Zeit 26.01.2026
14:36 Uhr

Rechtsextremismus: Thüringer AfD-Abgeordnete empfangen Identitären Martin Sellner


Thüringer AfD-Politiker haben den Chef der Identitären Bewegung in den Landtag eingeladen. Der Rechtsextreme Martin Sellner soll dort über "Remigration" gesprochen haben.

Rechtsextremismus: Thüringer AfD-Abgeordnete empfangen Identitären Martin Sellner
Thüringer AfD-Politiker haben den österreichischen Rechtsextremisten und Chef der Identitären Bewegung (IB) Martin Sellner im Thüringer Landtag empfangen. Thüringens AfD-Fraktionsvizevorsitzender Daniel Haseloff sagte der Nachrichtenagentur dpa in Erfurt, man habe über Sellners "Remigrationskonzept" und das der Thüringer AfD gesprochen. Dabei habe man sich auch über Unterschiede unterhalten. Haseloff teilte Fotos von dem Treffen auf der Plattform X . Darauf sind neben ihm auch die Thüringer AfD-Bundestagsabgeordneten Stefan Möller und Robert Teske zu sehen. Möller ist neben Björn Höcke Landessprecher der Thüringer AfD. Ebenfalls auf X bedankte Sellner sich für die Einladung und die Debatte. Man habe einen "fruchtbaren Austausch" gehabt. Haseloff sagte, die Thüringer AfD wolle ihr eigenes "Remigrationskonzept" auf Basis von Gesetzen umsetzen. Wie das möglich sein soll, sagte er nicht. Mit "Remigration" bezeichnen Rechtsextreme die Idee, Menschen, die aus ihrer Sicht eine ausländische Herkunft haben, unter Zwang und zur Not auch mit Gewalt außer Landes zu bringen. CDU und Linke kritisierten die Einladung. Der Besuch sei ein Alarmsignal, das zeige, wie nah die AfD Thüringen im rechtsextremen Vorfeld stehe, sagte der Generalsekretär der CDU Thüringen, Niklas Waßmann. Die AfD Thüringen müsse sich öffentlich, klar und unmissverständlich von diesem Auftritt distanzieren. Die Linken-Politikerin Katharina König-Preuss kritisierte, die AfD habe bewusst einen bekannten Vordenker der extremen Rechten in das Herz einer demokratischen Institution geholt. Der Landtag werde damit zur Kulisse für Ideologien gemacht, die offen gegen Menschenwürde, Gleichheit und demokratische Grundrechte gerichtet seien. Umgang mit Sellner in AfD umstritten Haseloff kritisierte wiederum den Umgang mit Sellner, dessen Einreiseverbote er als absurd bezeichnete. Nach einem viel kritisierten Treffen Rechtsextremer in Potsdam 2023 hatte die Ausländerbehörde der Stadt ein Einreiseverbot gegen den Österreicher verhängt. Als Sellner dagegen klagte und sein Einspruch Erfolg versprach, nahm die Stadt die Maßnahme zurück . Bereits vergangene Woche hatte es Diskussion um dem Umgang mit Sellner gegeben. Die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré hatte ursprünglich zu einem Vortrag mit Sellner eingeladen und diesen nach Kritik von den AfD-Bundesvorsitzenden wieder abgesagt . Sellner lud dann selbst ein und Kotré kam als Gast . In Erfurt ist für Montagabend eine Veranstaltung mit Sellner in einer Gaststätte geplant. Nach Angaben eines Polizeisprechers rechneten Sicherheitsbehörden mit Protesten aus der linken Szene. Sellner ist eine führende Figur der IB , die das Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft. Die Thüringer AfD wird wiederum vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.