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17.02.2026
14:19 Uhr
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Wer diesen Verein trainiert, braucht Karriere, Aura, das gewisse Etwas. Real Madrid hat jetzt ein Problem: Wenn Xabi Alonso nicht der richtige war – wer denn dann?

Auf Real Madrid richten sich wieder alle Augen. Aber auf andere Art, als es der fünfzehnfache Champions-League-Sieger gewohnt ist, denn er muss in die Playoffs. Jeder Fan erwartet den Verein unter den besten acht in Europa, angesichts dieser Namen und Investitionen. Doch die Extrarunde scheint zum Programm zu werden, Real tritt sie schon zum zweiten Mal an. Das 2:4 bei Benfica Lissabon war die neunte Niederlage nach dem letzten Titelgewinn unter Carlo Ancelotti 2024. Seitdem verlor Real auf internationaler Bühne fast jedes zweite Spiel. Ancelottis Wirken versteht man im Rückblick noch mal klarer, was man ebenso über Zinédine Zidane sagen kann. Beide gewannen mit Real zwischen 2014 und 2024 je drei Mal die Champions League. Warum sie sich für diesen speziellen Verein eigneten: Sie standen einst selbst mit herausragenden Fußballern auf dem Platz. Ancelotti spielte unter Arrigo Sacchi beim AC Mailand. Zidane schoss Siegtore in Endspielen der WM und der Champions League. Leute mit dieser Aura werden von den Besten respektiert. Ancelotti und Zidane waren ihr Leben lang Teil von Rudeln, die vor Talent strotzten. Daher können sie Qualitäten von Spitzenfußballern präzise einschätzen, sind in der Lage, deren Schwächen zu handlen. Sie haben unmittelbar erfahren, was passieren muss, damit aus diesen Charakteren eine Einheit wird. Xabi Alonso hat das gleiche Profil . Als Spieler war er eine Institution im defensiven Mittelfeld, gewann mit Verein und Nationalmannschaft alles. Er ist praktisch Ancelotti minus zwei Jahrzehnte Erfahrung. Bislang hatte Alonso seine Karriere mit Bedacht geplant. Ich denke, er wusste, auf welches Risiko er sich einließ, als er zu Real wechselte. Das Experiment ist erstmal gescheitert , vermittelt ihm aber für seinen weiteren Weg wertvolles Wissen. In Leverkusen war Alonso der einzige Star, er genoss im Verein absolute Autorität. Geprägt von seiner eigenen Spielweise, gab er der Mannschaft Stabilität. Die setzte mit Leidenschaft seine Vorstellungen um, auch wenn manches in Sachen Spieleröffnung und Ballbesitz noch ein bisschen unausgegoren war. Nach Siegen zu Saisonbeginn wurde aus Überzeugung Glaube. Hinzu kam, dass niemand in dem Verein, der sich selbst "Vizekusen" nannte, Titel erwartet. Unter Alonso wurde Leverkusen erstmals Deutscher Meister , holte ungeschlagen das Double. Das waren keine schlechten Referenzen, bloß ist Madrid nicht Leverkusen. Der Geist von Alfredo Di Stéfano, der Real von 1956 bis 1960 zu fünf Europapokaltriumphen führte, weht durchs Bernabéu. Real ist in noch radikalerer Form als der FC Bayern ein Spielerverein. Der Boss Florentino Pérez ist ein sehr mächtiger Mann, der sehr viel Geld für Stars ausgibt. Nur in Saudi-Arabien könnten Kylian Mbappé oder Vinícius Júnior noch mehr verdienen. Wenn einer der Seinen nicht den Ballon d’Or gewinnt, ist der Präsident schon mal beleidigt und bläst die Veranstaltung ab. Trainer hingegen hält er für austauschbar, was diesen Posten zur maximalen Herausforderung im Weltfußball macht. Es gleicht einem Kunststück, mit den Galacticos Zusammenspiel zu entwickeln. Was Spieler aus Leverkusen aufsaugen, empfinden die aus Madrid als Einschränkung ihrer Individualität und Freiheit.