Zeit 17.01.2026
23:22 Uhr

Reaktionen auf Trumps Zollankündigung: "Wir lassen uns nicht einschüchtern"


Trumps Grönland-Sonderzölle stoßen in Europa auf Kritik. Die Bundesregierung will sich mit den EU-Partnern abstimmen, Macron betont Dänemarks Souveränität.

Reaktionen auf Trumps Zollankündigung:
US-Präsident Donald Trump hat neue Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder angekündigt , die sich seinen Plänen einer Übernahme Grönlands entgegenstellen. Die Zölle von zunächst zehn und später 25 Prozent sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde, drohte Trump an. Das sind die Reaktionen darauf. Bundesregierung nimmt Zölle "zur Kenntnis", Grüne fordern Gegenzölle Die Bundesregierung hat eine gemeinsame Reaktion der betroffenen europäischen Staaten in Aussicht gestellt. Regierungssprecher Stefan Kornelius teilte mit, man habe Trumps Ankündigung "zur Kenntnis genommen" und befinde sich in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern. "Gemeinsam werden wir zur gegebenen Zeit über geeignete Reaktionen entscheiden", kündigte Kornelius an. Deutlicher äußerten sich die Grünen, die die EU zur Erhebung von Gegenzöllen auffordern. "Es braucht die klare Antwort an Trump", sagte Fraktionschefin Katharina Dröge. Auch kritisierte sie bisher die bisherige US-Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): "Die Strategie des Zurückweichens und der Beschwichtigung von Friedrich Merz ist gescheitert", sagte Dröge. "Bei der Verteidigung der internationalen Ordnung braucht es Selbstbewusstsein und Klarheit." Auch der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner fordert ‍Gegenmaßnahmen. "Vielleicht sollten wir ​schon mal die Digitalsteuer vorbereiten - eine andere Sprache versteht der ältere Herr nicht", ‌sagte Stegner dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) laut Vorabbericht. Man könne das Vorgehen für Satire halten, dies sei es aber leider nicht. EU-Spitzen warnen vor "gefährlicher Abwärtsspirale" Die Spitzen der Europäischen Union warnen angesichts der Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump ‍im Streit um einen Kauf Grönlands vor einer Eskalation. Zölle würden die transatlantischen Beziehungen untergraben ​und drohten, eine "gefährliche Abwärtsspirale" auszulösen, teilen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Antonio Costa ‌ auf der Plattform X mit . Europa werde geeint und koordiniert bleiben und seine Souveränität weiterhin entschlossen wahren. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte vor negativen Konsequenzen der US-Zölle für den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Zollankündigung spiele zudem China und Russland in die Hände, schrieb Kallas auf X : "Sie sind es, die von ‍der Spaltung der Verbündeten profitieren." Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit Grönland könnten innerhalb der Nato geklärt werden. Macron mit Bekenntnis zu "Souveränität und Unabhängigkeit" Auch Frankreich wies die Zolldrohungen zurück. Präsident Emmanuel Macron bezeichnete sie als "inakzeptabel" und kündigte eine geschlossene europäische Reaktion an, sollte Trump an seinen Plänen festhalten. Weder Einschüchterung noch Drohungen würden die Europäer beeinflussen, sei es in der Ukraine, ​in Grönland oder anderswo, schrieb Macron auf der Plattform X . Zolldrohungen hätten "in diesem Zusammenhang nichts zu suchen", schrieb er. "Frankreich bekennt sich zur Souveränität und Unabhängigkeit der Nationen, in Europa und weltweit." Starmer bezeichnet Zölle als "völlig falsch" Der britische Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Drohung, Zölle gegen Verbündete zu verhängen, als "völlig falsch". Dies berichtet ‌der Sender BBC unter Berufung auf eine Mitteilung Starmers. Es sei falsch, Verbündete mit Zöllen zu belegen, die sich für die kollektive ⁠Sicherheit der Nato einsetzten. Der britische Regierungschef kündigte an, das Thema ​direkt mit der US-Regierung zu erörtern. Zudem bekräftigt er, dass Grönland Teil Dänemarks sei und die arktische Sicherheit die gesamte Nato angehe. Dänemark begründet Militärmission Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen zeigt sich von der Zolldrohung Trumps überrascht. Das teilte der Däne in einer Stellungnahme der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge mit. Dänemark stehe derzeit in engem Kontakt mit der EU-Kommission. Trump stößt sich nach eigenen Angaben daran, dass Deutschland und andere europäische Staaten jüngst teils auf Einladung Dänemarks Soldaten auf die Insel geschickt haben. Es sei unklar, was der Zweck der Maßnahme sei, schrieb er in seiner Zoll-Ankündigung auf Truth Social. Das Ziel der verstärkten militärischen Präsenz in Grönland bestehe jedoch genau darin, die Sicherheit in der Arktis zu erhöhen, sagte Rasmussen – und bezog sich damit auf Trumps Behauptungen, wonach die USA vor die Sicherheit der Arktisregion vor China und Russland im Blick hätten. Schweden: "Wir lassen uns nicht einschüchtern" Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson wies Trumps Drohungen ebenfalls entschieden zurück. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Nur Dänemark und Grönland entscheiden über Fragen, die sie betreffen", stellte Kristersson klar. "Ich werde mein Land und unsere verbündeten Nachbarn immer verteidigen." Es handele sich um "eine europäische Frage". Kristersson teilte mit, Schweden führe nun "intensive Gespräche" mit anderen EU-Ländern sowie Norwegen und Großbritannien, um eine "gemeinsame Antwort" auf Trumps Zollankündigung zu finden. Norwegen stellt sich hinter Dänemark Auch Norwegen ‍stellt sich hinter Dänemark. "Wir sind nicht der Meinung, ⁠dass die Frage von Zöllen in diesen Zusammenhang gehört", teilt Außenminister Espen ⁠Barth Eide mit. Innerhalb ⁠der Nato sei man sich weithin ‌einig, dass die Sicherheit ​in der Arktis einschließlich Grönlands gestärkt werden ⁠müsse. Ökonom fordert EU-Kooperation mit China Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, forderte Konsequenzen. "Es ist höchste Zeit, dass die EU – und vor allem die Bundesregierung – globale Kooperationen mit ⁠China und anderen stärkt, um Trump Paroli zu bieten", sagte der DIW-Chef. Dessen Androhung von Strafzöllen, um sich Grönland einzuverleiben, zeige die Schwäche und Handlungsunfähigkeit Europas. Mittelstand verlangt Hilfen für deutsche Wirtschaft Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der Union forderte sofortige Entlastungen für Betriebe. Trumps Ankündigung habe die Spielregeln geändert, sagte die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann der Rheinischen Post . Jetzt müsse gelten: "Wirtschaft first". Sie forderte die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, eine rasche Körperschaftsteuerreform sowie eine niedrigere Stromsteuer für Betriebe und Verbraucher. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft werde durch neue Zölle ins Mark getroffen. Autohersteller sind besorgt Auch weitere Personen aus der deutschen Wirtschaft übten deutliche Kritik an Trumps Ankündigung. Der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura, bezeichnete die Ankündigung als "grotesk" und sprach von einem neuen Tiefpunkt in den transatlantischen Handelsbeziehungen. Die USA bestraften damit Staaten, die an einem Nato-Einsatz beteiligt seien, sagte er mit Blick auf die Militärmission in Grönland. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte sich besorgt. VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnte vor erheblichen Belastungen für die deutsche und europäische Industrie und sprach von einer schweren Belastung der transatlantischen Beziehungen. Notwendig sei nun eine strategisch abgestimmte Antwort der EU, um eine Eskalation zu vermeiden. Verfolgen Sie alle aktuellen Entwicklungen im Streit um die US-Ansprüche auf Grönland in unserem Liveblog.