Zeit 28.11.2025
15:01 Uhr

Reaktion auf Rentenkompromiss: Grüne wollen in Rentenkommission mitarbeiten


Die Grünen bewerten das Ergebnis im Rentenstreit als "durchwachsen", an der nächsten Reform wollen sie mitarbeiten. Kritik kam von ifo Institut und Linkspartei.

Reaktion auf Rentenkompromiss: Grüne wollen in Rentenkommission mitarbeiten
Die Grünen haben ihre Mitarbeit an der von Union und SPD geplanten Reform des Rentensystems angeboten. Die mit der Vorbereitung beauftragte Kommission solle "einen von der gesamten Gesellschaft getragenen großen Wurf für die größte Rentenreform seit Jahrzehnten entwickeln", sagte der Rentenexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Armin Grau. Deshalb wäre es eine "gute Idee, die Opposition konstruktiv in der Rentenkommission mitarbeiten zu lassen". Die Vereinbarungen im schwarz-roten Koalitionsausschuss zur Rentenreform wertete Grau als "durchwachsen". Die Stabilisierung des Rentenniveaus reiche "weiterhin nur bis 2031, Mütterrente und Aktivrente bleiben hochgradig ineffizient", kritisierte er. Deutliche Kritik an den Rentenvereinbarungen der Koalition kam von der Linkspartei. "Der Aufstand der Jungen Gruppe war ein abgekartetes Spiel mit der Unionsspitze", sagte Fraktionschef Sören Pellmann. "Die Union hat genau das bekommen, was sie wollte." Nun sei "die ganze Klaviatur der Renten-Grausamkeiten auf dem Tisch, und die Rentenkommission hat daraus freie Auswahl". Linke und ifo-Chef Clemens Fuest mit Kritik Linkenchefin Ines Schwerdtner sagte, ihre Partei werde "keinem Gesetz zustimmen, welches das Rentenniveau absenkt". Die Beschlüsse seien nicht geeignet, das Rentensystem zukunftsfest zu machen, und setzten zu sehr auf private Vorsorge. "Dabei fehlt vielen Menschen das Geld, um sich privat abzusichern", sagte sie. Die SPD sei "umgefallen" und lasse jetzt sogar über die Erhöhung des Renteneintrittsalters verhandeln. Kritik kam auch von ifo-Präsident Clemens Fuest: "Das jetzt verabschiedete Rentenpaket wird künftig Steuererhöhungen erzwingen", sagte Fuest der Nachrichtenagentur Reuters. "Unternehmen und private Investoren werden darauf mit verstärkter Abwanderung aus Deutschland reagieren." Erst eine solche Reform zu verabschieden, die massive Mehrbelastungen für den Bundeshaushalt bringe, und dann eine Expertenkommission einzusetzen, die in die Gegenrichtung steuern müsste, "ist die falsche Reihenfolge". Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer übte Kritik. "Das wird teuer", sagte die Chefin des Sachverständigenrats Wirtschaft zu den Koalitionsplänen. Dabei sei die Haushaltslage ohnehin schwierig. Anja Piel, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), forderte die Koalitionsfraktionen zur Geschlossenheit auf. "Junge und Alte brauchen eine Rentenreform, die zu mehr Rente für alle führt. Bessere Renten sind möglich, die Kosten dafür müssen aber gemeinsam geschultert werden." Piel sprach sich für eine bessere Ausbildung und weniger unfreiwillige Teilzeit aus. "Ein Zwang zum längeren Arbeiten durch höhere Altersgrenzen, steigende Abschläge oder sinkendes Rentenniveau sind aber der falsche Weg." Für Caritas-Chefin Eva Welskop-Deffaa geht der Koalitionskompromiss in die richtige Richtung. Das Thema Rente berge aber weiter große Herausforderungen. "Die Ausweitung des Versichertenkreises ist unabdingbar", sagte Welskop-Deffaa der Katholischen Nachrichten-Agentur. Bei jeder geplanten Anhebung des Renteneintrittsalters müssten aber Lösungen für Menschen gefunden werden, "die nach 40 Jahren in der Altenpflege oder als Müllwerker mit 63 nicht länger arbeitsfähig sind". Rentenkommission soll auch Tabuthemen aufgreifen Die Spitzen von Union und SPD hatten sich im Koalitionsausschuss darauf geeinigt, den Gesetzentwurf zur Rente nicht mehr zu verändern. Die Verabschiedung kommende Woche soll aber von einem Entschließungsantrag begleitet werden. Darin ist eine grundlegende und langfristige Reform des Rentensystems angekündigt. Vorschläge dafür soll bis Mitte 2026 eine Kommission erarbeiten. Sie soll im Dezember ihre Arbeit aufnehmen. In der Kommission sollen laut dem Beschlusspapier des Koalitionsausschusses (liegt der ZEIT vor) auch folgende umstrittene Themen diskutiert werden: eine längere Lebensarbeitszeit eine neue Berechnung des Rentenniveaus nach 2032 die Einbeziehung neuer Gruppen von Beitragszahlern Die Reformpläne sollen möglichst schon im zweiten Halbjahr kommenden Jahres auf den Weg gebracht werden. Ob dies den jungen Abgeordneten der Union reicht, die die Rentenpläne bislang abgelehnt haben, ist noch offen. Hierzu soll es in den kommenden Tagen weitere unionsinterne Gespräche geben.