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23.11.2025
20:43 Uhr
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Die BSW-Fraktion in Brandenburg steckt in einer Krise. Nun gibt der Fraktionsvize sein Amt auf. Er zeigte Verständnis für Aussagen eines AfD-Politikers zur NS-Zeit.

Mitten in einer schweren Krise ist der stellvertretende BSW -Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Christian Dorst, von seinem Amt zurückgetreten. Hintergrund ist seine Reaktion auf eine Äußerung des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zur NS-Zeit. Dorst hatte Verständnis dafür gezeigt, dass sich Siegmund bei der Bewertung von Verbrechen in der NS-Zeit nicht festlegen wollte. Der BSW-Fraktionsvorsitzende Niels-Olaf Lüders teilte mit, dass Dorst seinen Rücktritt als Fraktionsvize erklärt habe. Die BSW-Fraktion im Brandenburger Landtag ist derzeit nach vier Parteiaustritten in einer schweren Krise , die auch die Koalition aus SPD und BSW ins Wanken bringt. Siegmund, der Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2026 ist, hatte in einem Podcast des Portals Politico auf die Frage gesagt, ob die NS-Zeit "das Schlimmste der Menschheit" gewesen sei: "Das maße ich mir nicht an zu bewerten, weil ich die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten kann und aus allen Verbrechen dieser Menschheit natürlich lernen muss." Dorst: "Man kann das allerdings auch völlig anders bewerten" Der bisherige BSW-Fraktionsvize Dorst zeigte bei X Verständnis für diese Aussage. Man könne die Äußerung von Siegmund als "Vorstufe zur Leugnung des Holocaust" bewerten, sagte der BSW-Abgeordnete. "Man kann das allerdings auch völlig anders bewerten." Frei nach dem Motto: "Ich weiß, dass ich nichts weiß", sagte Dorst. Letztere Interpretation lasse den AfD-Spitzenmann völlig anders erscheinen als erstere. Brandenburgs BSW-Fraktionschef Lüders erklärte mit Blick auf seinen Parteifreund Dorst: "Er stellte bei seinem Rücktritt klar, dass er die Singularität des Holocaust nicht angezweifelt hat und nicht anzweifelt." Dennoch sei die Rücktrittserklärung "folgerichtig", teilte Lüders mit. "Die von Christian Dorst gewählte und zunehmend stärker besetzte Rolle als streitbarer politischer Kommentator in den sozialen Medien verträgt sich nicht mit der Funktion eines stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden", sagte der Fraktionschef. Der Bauunternehmer Dorst ist seit Oktober 2024 Mitglied des Landtags in Brandenburg. Er spielt auch eine Rolle in der aktuellen Krise der Fraktion. Dorst griff seinen Parteikollegen, den BSW-Finanzminister Robert Crumbach an und legte ihm einen Austritt aus Partei und Fraktion nahe . Hintergrund war ein Streit um zwei im BSW umstrittene Medienstaatsverträge.