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08.12.2025
12:22 Uhr
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Von Rassismus betroffene Menschen werden laut einem Bericht bei der Wohnungssuche benachteiligt. Ein ausländisch klingender Name führe seltener zu Besichtigungen.

Der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt in Deutschland benachteiligt einem Monitoringbericht zufolge von Rassismus betroffene Menschen. Muslimische und Schwarze Menschen erlebten deutlich häufiger, dass sie nicht zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen werden, heißt es in einem Bericht des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). "Ungleiche Behandlung im Bereich Wohnen ist kein Randphänomen, sondern prägt die Erfahrung vieler", heißt es vonseiten des Forschungsteams. "Menschen mit gleichen Voraussetzungen werden unterschiedlich behandelt – allein aufgrund rassistischer Markierung", sagte der Hauptautor der Untersuchung, Tae Jun Kim. Diskriminierung auch über Wohnungssuche hinaus Für den Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor Gewohnt ungleich: Rassismus und Wohnverhältnisse wertete das DeZIM die Angaben von rund 9.500 Menschen aus, die sich selbst als Schwarz, asiatisch, muslimisch oder osteuropäisch sowie als Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund definieren. Darüber hinaus verschickte das Forschungsteam im Rahmen eines Experiments Bewerbungen auf echte Wohnungsanzeigen und variierte dabei die Namen der angeblich Interessierten, ließ aber andere Faktoren wie das Einkommen unverändert. Insbesondere bei Namen, die im Nahen Osten oder Afrika verbreitet sind, gab es demnach seltener eine Rückmeldung auf die Wohnungsbewerbung und auch seltener eine Einladung zur Besichtigung. Auch über die Wohnungssuche hinaus zeigt der Bericht eine Diskriminierung ausländisch gelesener Menschen auf dem Wohnungsmarkt: So leben rassistisch markierte, also von Rassismus betroffene Personen durchschnittlich auch auf engerem Raum, besitzen deutlich seltener Wohneigentum und sind häufiger unsicheren Mietverhältnissen wie Befristungen, Index- und Staffelmieten ausgesetzt. Sie sind außerdem überdurchschnittlich oft von Wohnkosten überlastet und von Wohnraummängeln sowie höheren Umweltbelastungen betroffen – etwa durch unzureichende Dämmung, Schimmel oder erhöhte Stickstoffdioxidwerte. Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung fordert mehr Unterstützung Rassistisch markierte Gruppen, insbesondere muslimische Befragte, sind dem Bericht zufolge weniger zufrieden mit ihrer Wohnsituation und berichten häufiger von Diskriminierung in der Nachbarschaft wie etwa Ignorieren oder Beschimpfungen. Unzureichende Wohnbedingungen und hohe Wohnkostenbelastungen hängen laut Bericht daneben eng mit erhöhtem psychischen Stress zusammen. Menschen, die mit ihrer Wohnsituation unzufrieden sind, haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, moderate bis starke Stresssymptome zu entwickeln. Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, forderte als Reaktion auf den Bericht deshalb mehr Unterstützung für die von der Benachteiligung Betroffenen. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt sei "stark verbreitet", das zeigten auch die Beratungsanfragen bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Wer Diskriminierung erlebe, könne sich dort Unterstützung holen, sagte Ataman. Gleichzeitig müsse das Antidiskriminierungsrecht so geändert werden, "dass es Menschen auch wirklich hilft".