Zeit 10.01.2026
13:14 Uhr

Proteste im Iran: Iran weiterhin ohne Internet, USA drohen islamistischem Regime


Die Internetsperre im Iran hält an, die Protestierenden sind von der Welt abgeschnitten. Die Armee schwört auf das Regime. Der US-Außenminister will die Proteste stützen.

Proteste im Iran: Iran weiterhin ohne Internet, USA drohen islamistischem Regime
Die wegen der regierungskritischen Proteste im Iran verhängte landesweite Internetsperre dauert nach Angaben von Beobachtern an. Die Organisation Netblocks teilte am Samstagmorgen mit, ihre Messungen zeigten, dass die Internetblockade 36 Stunden nach deren Beginn weiterhin in Kraft sei. Sie "begrenze stark die Möglichkeit der Iraner, herauszufinden, ob es ihren Freunden und Liebsten gut gehe", schreibt die Organisation . Das iranische Regime hatte am Freitag das Internet abgeschaltet, um die Organisation weiterer Proteste zu erschweren. Die Regierung spielte die landesweiten Massenproteste nun herunter. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, sagte ein Sprecher im Staatsfernsehen laut dem staatlichen iranischen Rundfunkverbund IribNews. Sie diskreditierte die Protestierenden zudem als "bewaffnete Terroristen". In dem Verwaltungsbezirk Baharestan in der Nähe der Hauptstadt Teheran wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim 100 Menschen festgenommen. Das Regime bezeichnete sie als "bewaffnete Randalierer". Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Vorwurf einer US-Einmischung Die iranische Armee gab am Morgen bekannt, die nationalen Interessen, die strategische Infrastruktur und das öffentliche Eigentum des Landes weiterhin schützen zu wollen. In einer Erklärung forderte sie die Bürger außerdem auf, wachsam zu sein, um die "Pläne des Feindes" zu vereiteln. Irans Führung wirft den USA vor, die Proteste anzuheizen. Unterdessen sagten die USA den Protestierenden ihre Unterstützung zu und drohten dem Regime. "Die USA unterstützen das tapfere Volk ‍im Iran", schrieb ​US-Außenminister Marco Rubio ‌auf X . Auch US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran erneut. "Ihr fangt besser nicht an zu schießen, sonst ​schießen wir auch", teilte er mit. "Ich ‍hoffe nur, dass die Demonstranten in Sicherheit sein werden, denn das ist im Moment ein sehr ⁠gefährlicher Ort." Im Iran gibt es seit fast zwei Wochen große Demonstrationen, die sich zunächst an der schlechten wirtschaftlichen Lage entzündeten. Inzwischen gehen die Protestierenden jedoch auch gegen die politische und religiöse Führung auf die Straße . In der Nacht zum Freitag kam es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Proteste vor zwei Wochen. Angst vor Massakern Die iranischen Behörden gehen hart gegen die Protestierenden vor, sie sollen in den vergangenen Tagen bereits 60 Menschen getötet und Hunderte verletzt haben . Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin Time , sechs Krankenhäuser in Teheran hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten verzeichnet – die meisten seien demnach durch scharfe Munition getötet worden. Unabhängig bestätigen ließ sich das nicht. Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die im Exil lebt, warnte vor einem "Massaker im Schutz einer umfassenden Kommunikationssperre" . Dahinter stehe "eine Taktik" zur Niederschlagung der jüngsten Proteste durch die Einsatzkräfte, schrieb sie auf Telegram. Am Donnerstag seien ihren Informationen zufolge Hunderte Menschen mit "schweren Augenverletzungen" in Krankenhäuser eingeliefert worden. Der Sohn des 1979 im Zuge der islamischen Revolution gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi rief unterdessen die regierungskritischen Demonstranten auf, die Stadtzentren des Landes zu besetzen. Der im Exil Lebende schrieb auf X, die Iraner sollten am Wochenende alle auf die Straße gehen. Ziel sei, die Stadtzentren dauerhaft einzunehmen.