Zeit 02.12.2025
11:33 Uhr

Privatsender: RTL will 600 Stellen in Deutschland streichen


Der Chef von RTL Deutschland, Stephan Schmitter, hat angekündigt, 600 Stellen abzubauen. RTL wolle sich neu aufstellen und auf Streamingangebote setzen, sagte er.

Privatsender: RTL will 600 Stellen in Deutschland streichen
RTL Deutschland will im Rahmen einer Neustrukturierung rund 600 Stellen streichen. "Es gibt zwei große Herausforderungen, die wir lösen müssen, um langfristig erfolgreich zu sein", sagte RTL-Deutschlandchef Stephan Schmitter der Nachrichtenagentur dpa. Eine davon sei der tiefgreifende Wandel im Medienmarkt, die andere die schwierige konjunkturelle Lage. Zuvor hatte es Berichte über einen großen Stellenabbau bei dem zum Medienkonzern Bertelsmann gehörenden Unternehmen gegeben. Hintergrund der Streichungen seien unter anderem die anhaltende Rezession und die schwachen TV-Werbemärkte, teilte der RTL-Konzern mit. Seit 2019 sind demnach die TV-Werbeumsätze in Deutschland um mehr als 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig habe der Konzern in den Ausbau des Streamingdienstes RTL+ investiert, dessen Abonnentenzahl auf mehr als 6,6 Millionen gestiegen ist. "Diese Gesamtsituation macht es zwingend notwendig, dass wir uns jetzt strukturell neu aufstellen", sagte Schmitter. "Durch die Maßnahmen werden wir einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Personalkosten einsparen", sagte Schmitter. Die 600 betroffenen Stellen umfassen RTL Deutschland zufolge sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitkräfte. Gemeinsam mit den Betriebsräten sei ein Abfindungsprogramm entwickelt worden, um betroffene Beschäftigte zu unterstützen. Geplant sind demnach unter anderem Altersteilzeitmodelle und Abfindungen. Deutscher Journalisten-Verband äußert sich besorgt Für Zuschauerinnen und Zuschauer bedeutet der Umbau RTL Deutschland zufolge keine unmittelbaren Einschnitte beim linearen Programm. "Wir senden nach wie vor 24 Stunden rund um die Uhr und wollen unsere marktführenden Positionen entsprechend verteidigen", sagte Schmitter. Zugleich kündigte er an, dass die Programmbudgets zunehmend vom linearen TV in Streaminginhalte verschoben werden. Was die Änderungen konkret für einzelne Formate bedeuten, sei noch nicht vollständig entschieden. Der Deutsche Journalisten-Verband zeigte sich schockiert über die geplanten Streichungen. "Das ist eine Katastrophe für die Kolleginnen und Kollegen bei RTL und ihren Töchtern", sagte der Bundesvorsitzende Mika Beuster. Demnach steht zu befürchten, dass die journalistische Qualität Schaden nimmt: "Es dürfte für die Redaktionen mindestens schwierig werden, das jetzige Niveau mit noch weniger Personal zu halten." Die von Arbeitnehmervertretern mit der Geschäftsführung verhandelten Konditionen wertete Beuster als "Lichtblick". Unter anderem sollen freiwillig ausscheidende Mitarbeitende abhängig von ihrer Beschäftigungsdauer einen Bonus von bis zu 50.000 Euro bekommen, sagte Beuster. RTL ist das führende Entertainmentunternehmen in Deutschland und gehört zur internationalen RTL Group, Europas größter kommerzieller Sendergruppe. In Deutschland betreibt das Unternehmen neben RTL etwa ntv und Vox sowie den Streamingdienst RTL+.