Zeit 22.11.2025
10:34 Uhr

Presseschau zum US-Friedensplan: "Putin würde mit ziemlicher Sicherheit eine dritte Invasion starten"


Der Plan, den die USA und Russland zur Beendigung des Ukrainekrieges ausgearbeitet haben, stößt auf Kritik. International fordern Medien ein europäisches Eingreifen.

Presseschau zum US-Friedensplan:
Zahlreiche internationale Medien haben den von den USA und Russland ausgehandelten Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine deutlich kritisiert. Dieser war von mehreren US-Medien veröffentlicht worden und sieht etliche Zugeständnisse der ukrainischen Regierung vor. Dazu gehört die Abtretung mehrerer ukrainischer Gebiete an Russland und der Verzicht auf einen möglichen Nato-Beitritt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj signalisierte trotz der Bedingungen Gesprächsbereitschaft . Die US-amerikanische New York Times schreibt , dass Selenskyj – inmitten eines Korruptionsskandals und angesichts von Rückschlägen an der Front – mit dem US-Plan "vor einem der größten Dilemmas seiner Amtszeit" stehe. Putin würde mit dem Plan die meisten seiner Ziele erreichen, während die Ukraine im Gegenzug "wenig gewinne, außer einem Ende des Krieges". Angesichts der kurzen Frist für eine Reaktion verkleinere sich zudem Selenskyjs Spielraum, auf die Eckpunkte des Plans einzuwirken. "Wie effektiv Herr Selenskyj mit der Trump-Regierung verhandeln kann, wird weitgehend davon abhängen, wie viel weitere Unterstützung er aus Europa mobilisieren kann." Die Neue Zürcher Zeitung geht auf die Risiken ein, sollten die Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufgehoben werden, wie es der Plan vorsieht. "Die damit verbundene Gefahr scheint man in Washington nicht zu erkennen", heißt es. "Aber die Europäer können sie nicht ignorieren. Sie sollten ihren – begrenzten, aber nicht unwesentlichen – Einfluss geltend machen, um diese Kapitulationsurkunde zu verhindern." Dies gehe nur mit der Bereitschaft, die Ukrainer noch stärker als bisher zu unterstützen und die von den Amerikanern hinterlassene Lücke zu füllen. The Telegraph warnt vor weiterer Invasion Auch die britische Zeitung The Telegraph sieht Europa stärker in der Verantwortung. "Angesichts einer stark geschwächten Ukraine würde Putin mit ziemlicher Sicherheit zurückkommen und eine dritte Invasion starten, um seinen Nachbarstaat ein für alle Mal von der Landkarte zu tilgen", heißt es. Um dies und einen Angriff auf Nato-Verbündete zu verhindern, müsse eine Grenze gezogen werden. "Und zwar jetzt." Europa solle Trump klarmachen, dass die Ukraine ein Recht habe, den Plan abzulehnen. "Sollte Amerika sich daraufhin aus dieser Krise zurückziehen, muss Europa die volle Verantwortung dafür übernehmen, die Ukraine in ihrem Kampf gegen einen Angreifer zu unterstützen, der uns alle bedroht." Der österreichische Standard schreibt, der Plan lese sich wie eine "russische Wunschliste an Kyjiw". "Das Schlimmste an diesen Vorschlägen ist, dass sie die Ukraine militärisch schutzlos zurücklassen würde." Zugleich wertet die Zeitung den Plan auch als Chance. Denn angesichts der derzeitigen Lage auf dem Schlachtfeld brauche Selenskyj dringend eine Verhandlungslösung, und der Plan könne ein Ausgangspunkt für ernsthafte Verhandlungen sein. Dazu müssten die Europäer "den russischen Begehrlichkeiten klare Grenzen setzen und den US-Präsidenten wie nach dem Alaska-Gipfel erneut überzeugen, dass man Putin nicht trauen kann". Kritik an Trump-Regierung In der spanischen El País wird die Regierung von Trump dafür kritisiert, über die Köpfe der europäischen Regierungschefs hinweg mit Russland verhandelt zu haben. "Von Putin kann man nichts erwarten, aber Trumps Berater sollten den US-Präsidenten daran erinnern, dass Europa von Anfang an mit großem Aufwand Material für die Verteidigung der Ukraine bereitgestellt hat", steht darin. Auch die französische Le Monde übt Kritik an der US-Regierung und an der kurzen Bedenkzeit, die dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj sowie den europäischen Partnern eingeräumt wird. "Die Frist ist künstlich und verrät die Ungeduld des Weißen Hauses. Die Drohung ist klar. Der Vorschlag ist völlig unausgewogen und begünstigt Russland." Der ukrainische Kyiv Independent schreibt: "Während US-Präsident Donald Trump monatelang erfolglos versuchte, Russland an den Verhandlungstisch zu bringen, scheint die neueste Version des Friedensplans – vermittelt durch den US-Sonderbeauftragten Steve Witkoff und den russischen Gesandten Kirill Dmitrijew – zu zeigen, dass Washington sich letztendlich auf die Seite Moskaus gestellt hat und Kyjiw nur wenige Tage Zeit gibt, um einen ungünstigen Vorschlag anzunehmen." In der russischen Komsomolskaja Prawda wird der Plan als Erfolg für den russischen Präsidenten gefeiert. "Putin hat den nächsten Zug seines Gegners auf dem geopolitischen Schachbrett vorausgesehen", heißt es darin. "Selenskyj hätte jetzt sicherlich versucht, einen Trick anzuwenden, der das Duell gedreht hätte. Dafür hätte es gereicht, ein paar Änderungen am Trump-Plan vorzunehmen, die in den USA Zustimmung gefunden hätten, in Russland aber definitiv abgelehnt worden wären. Aber Selenskyj kam zu spät." Aktuelle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine können Sie in unserem Liveblog verfolgen .