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20.11.2025
07:58 Uhr
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Eine ABC-Journalistin hatte kritische Fragen gestellt. US-Präsident Donald Trump nennt den Sender daraufhin einen Propagandabetrieb. Die Medienaufsicht prüft Verträge.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump sucht nach kritischen Fragen einer ABC-Reporterin zur Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi den Sender ABC News weiter zu diskreditieren. Das Weiße Haus bezeichnete den zum Disney-Konzern gehörenden Sender am Mittwoch als demokratischen Propagandabetrieb, der sich als Rundfunknetzwerk tarne. Tags zuvor hatte Trump die leitende Korrespondentin des Senders für das Weiße Haus bereits eine "schreckliche Reporterin" genannt und ABC News erneut mit dem Entzug der Sendelizenz gedroht . Am Mittwoch leitete die US-Medienaufsichtsbehörde FCC eine formale Prüfung der Verträge zwischen nationalen Netzwerken und lokalen Sendern ein. Die Untersuchung betrifft laut FCC-Chef Brendan Carr Fälle, in denen Sender aus Gründen des öffentlichen Interesses Programme nicht ausstrahlen. Die Behörde will klären, ob nationale Netzwerke lokale Sender für die Nichtausstrahlung von Programmen bestrafen können. Die Reporterin Mary Bruce hatte Trump am Dienstag während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zu persönlichen Geschäften der Trump-Familie mit Saudi-Arabien befragt. Außerdem merkte sie an, dass Geheimdienste den saudischen Kronprinzen für den Auftragsmord an Khashoggi verantwortlich machen. Trump wies die Erkenntnisse der US-Geheimdienste zurück und beschuldigte die Journalistin, eine "aufsässige Frage" gestellt zu haben. Es ist nicht der erste Konflikt zwischen Trump und ABC: Im September hatte Disney die Talkshow Jimmy Kimmel Live! nach umstrittenen Äußerungen über einen getöteten Trump-Unterstützer kurzzeitig abgesetzt . FCC-Chef Carr hatte damals mit Ermittlungen gedroht, sollten lokale Sender die Show weiter ausstrahlen. ABC News hatte im Dezember 15 Millionen Dollar an Trumps Präsidentenbibliothek gezahlt, um einen anderen Rechtsstreit beizulegen. Der Sender lehnte eine Stellungnahme ab. Erst am Freitag hatte Trump zudem Catherine Lucey, die Korrespondentin von Bloomberg im Weißen Haus, an Bord der Air Force One beleidigt. Lucey hatte den Republikaner zuvor gefragt, warum er sich so verhalte, wenn in den Epstein-Akten nichts Belastendes stehe. Daraufhin zeigte Trump auf sie und sagte: "Sei still. Sei still, du Schweinchen." Ein Vertreter des Weißen Hauses sagte dazu nun: "Wer austeilen kann, muss auch einstecken können."