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20.02.2026
19:47 Uhr
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Weil er den türkischen Präsidenten beleidigt haben soll, wurde ein Haftbefehl gegen einen DW-Mitarbeiter erlassen. Kulturstaatsminister Weimer fordert seine Freilassung.

Der seit mehreren Jahren für die Deutsche Welle (DW) in der Türkei tätige Journalist Alican Uludağ ist verhaftet worden. Ein Gericht in Istanbul habe wegen Präsidentenbeleidigung Haftbefehl erlassen, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft Uludağ unter anderem vor, den Präsidenten auf sozialen Netzwerken "beleidigt" und "irreführende Informationen" verbreitet zu haben. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen etwa eineinhalb Jahre alten Post auf der Plattform X. Darin habe sich Uludağ kritisch über Maßnahmen der türkischen Regierung geäußert, die mögliche Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) freigelassen habe. Der Regierung habe er Korruption vorgeworfen. Die Intendantin der Deutschen Welle, Barbara Massing, bezeichnete die Vorwürfe als haltlos. Uludağ sei "ein bekannter Investigativjournalist, der unter anderem zu Korruption recherchiert, sehr gut vernetzt ist und Zugang zu wichtigen Quellen hat", sagte Massing. Sie forderte die umgehende Freilassung des Korrespondenten und warf der türkischen Regierung die Unterdrückung der Pressefreiheit vor. Laut DW war Uludağ am Donnerstag vor den Augen seiner Familie von etwa drei Polizisten in Ankara festgenommen und abgeführt worden. Laut dem Sender wurde seine Wohnung durchsucht. Außerdem seien elektronische Geräte konfisziert worden. "Journalistische Arbeit ist keine Straftat" Währenddessen hat die Bundesregierung die Freilassung von Uludağ gefordert. "Ich fordere die türkische Regierung auf, dafür zu sorgen, dass Alican Uludağ sofort aus der Haft entlassen wird", sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos). "Journalistische Arbeit ist keine Straftat", sagte Weimer. Die Vorwürfe der türkischen Behörden gegen Uludağ bezeichnete er als "haltlos". Die Deutsche Welle und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten "in der Türkei frei arbeiten und unabhängig berichten können", sagte er. Uludağ ist Gerichtsreporter und berichtet für die Deutsche Welle unter anderem über Menschenrechtsverletzungen sowie Strafverfolgungs- und Sicherheitsdienste. Im Jahr 2021 wurde er in Deutschland für seine Artikel über Korruption in Regierungskreisen mit einem Journalistenpreis der Friedrich-Naumann-Stiftung ausgezeichnet. Kritik von Journalistenverbänden Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisierte die Festnahme. Diese sei "Teil der gerichtlichen Schikanen gegen seriöse Journalisten" in der Türkei. Uludağ könnte "mit seinen Recherchen die Regierenden verärgert haben", sagte RSF-Vertreter Erol Önderoğlu. Die Türkei belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 159 von 180 Staaten. Laut dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) sitzen zahlreiche Journalisten in der Türkei in Haft . Von 2017 bis 2018 war etwa der deutsche Journalist Deniz Yücel in einem türkischen Gefängnis. Im Januar wurde bereits ein Journalist der Deutschen Welle in Niger festgenommen . Die nigrischen Behörden warfen dem DW-Mitarbeiter Gazali Abdou wegen eines Berichts über Geflüchtete vor, die öffentliche Ordnung zu stören.