Zeit 24.01.2026
07:16 Uhr

Polizeischüsse in Deutschland: 17 Tote durch Polizeischüsse im vergangenen Jahr


2025 wurden weniger Menschen bei Polizeieinsätzen getötet als im vorherigen Jahr. Die Zahl liegt jedoch weiterhin deutlich über dem Zehn-Jahres-Schnitt.

Polizeischüsse in Deutschland: 17 Tote durch Polizeischüsse im vergangenen Jahr
Im Jahr 2025 sind weniger Menschen durch Schüsse der Polizei gestorben als im Vorjahr. 17 Menschen wurden von Polizeibeamten im Einsatz erschossen, 2024 waren es 25 gewesen. Das geht aus einer Auflistung der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/Cilip des Instituts für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit an der Berliner Humboldt-Universität hervor. Die Zahl der Todesfälle lag damit jedoch immer noch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) könnte eine flächendeckende Ausstattung der Einsatzkräfte mit Distanz-Elektroimpulsgeräten – auch als Taser bekannt – dazu beitragen, dass künftig weniger Menschen durch Schüsse aus der Dienstwaffe sterben. Mit einem Taser können aus geringer Distanz Elektroschocks abgegeben werden, die einen Menschen in der Regel handlungsunfähig machen. Nach tödlichen Schüssen auf den 21 Jahre alten Schwarzen Lorenz A . in Oldenburg hatte es bundesweit Demonstrationen gegen Polizeigewalt gegeben. Vorwürfe wurden laut, Rassismus könnte bei den tödlichen Schüssen eine Rolle gespielt haben. Im November klagte die Staatsanwaltschaft den Schützen wegen fahrlässiger Tötung an. Der Beamte soll demnach davon ausgegangen sein, mit einem Messer angegriffen zu werden, obwohl dies tatsächlich nicht der Fall war. Lorenz A. habe zwar zuvor Reizgas gegen den angeschuldigten Polizisten eingesetzt, ein mitgeführtes Messer benutzte er aber nicht. Den Ermittlungen zufolge wollte Lorenz zum Zeitpunkt der Schussabgabe fliehen. Besondere Betroffenheit löste auch ein Einsatz vom 17. November in Bochum aus: Dabei gab ein Polizeibeamter einen Schuss auf ein gehörloses zwölfjähriges Mädchen ab. Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt. Laut den noch laufenden Ermittlungen soll das Mädchen zuvor mit Messern auf die Beamten zugegangen sein, die einen Angriff befürchteten. Der Anwalt des Mädchens übt heftige Kritik an dieser Darstellung und zweifelt die Neutralität der ermittelnden Behörden an. Sieben Tote bei Polizeieinsätzen in Baden-Württemberg In Baden-Württemberg erschossen Polizeibeamte im Dienst 2025 insgesamt sieben Menschen. Darunter war ein 44-jähriger Mann, der laut Polizei Schüsse aus einer Wohnung heraus abgegeben hatte. Später wurde eine Schreckschusswaffe bei ihm gefunden. In Bruchsal starb ein 48-Jähriger, der mithilfe der Polizei in eine psychiatrische Klinik gebracht werden sollte. Jochen Kopelke, der Bundesvorsitzende der GdP, sieht einen Zusammenhang zwischen der relativ hohen Zahl von Fällen von tödlichem Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr und der Tatsache, dass Taser dort bislang regulär nur von Spezialeinheiten verwendet werden. Seine These: "Wo mehr und schneller Taser durch die Polizei verfügbar sind, reduziert es den Einsatz der Dienstwaffe." Debatte um Taser-Einsatz Der Bundestag hatte im Oktober eine Gesetzesänderung verabschiedet, nach der Vollzugsbeamte des Bundes neben den üblichen Schlagstöcken und Schusswaffen auch Taser anwenden dürfen. Laut einer Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums setzt die Bundespolizei bereits "im Zuge der erweiterten Anwendererprobung" bundesweit 300 Taser in ausgewählten Dienststellen ein. Die Erfahrungen seien positiv. Weitere Dienststellen würden nach und nach ausgestattet. In einigen Bundesländern, darunter Bayern, ist die Polizei inzwischen überall mit Tasern ausgestattet. Andere Landesregierungen, bei denen Taser bislang ausschließlich Spezialkräften zur Verfügung stehen, ziehen jetzt teilweise nach. Befürworter des Einsatzes von Tasern argumentieren, dass die abschreckende Wirkung oftmals schon reiche, um einen aggressiven Menschen zu stoppen. Beim Ziehen des Tasers werden ein grelles Licht und ein lauter Alarmton ausgelöst. Kritiker warnen dagegen vor möglichen gesundheitlichen Folgen des Einsatzes von Tasern.