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15.02.2026
13:37 Uhr
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Die Leitung der Berlinale hat sich hinter die Filmschaffenden der Berlinale gestellt. Es sei nicht fair, wenn jederzeit politische Statements von ihnen gefordert würden.

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle hat die mediale Erwartungshaltung für politische Debatten auf der Berlinale kritisiert. "Es gibt viele Arten von Kunst und ebenso viele Arten, politisch zu sein", schrieb sie in einem Statement . Der Erwartungsdruck an Filmschaffende, jederzeit Statements zu bestimmten geopolitischen Themen abgeben zu müssen, sei nicht fair. Oftmals könnten die komplexen Perspektiven und Gedanken der Filmschaffenden zu politischen Themen ohnehin nicht in kurzen Zitaten abgebildet werden. "Es ist schwer auszuhalten, dass die Berlinale sowie die vielen Hundert Filmschaffenden und Mitarbeitenden, die dieses Festival ausmachen, in der Online- und Mediendebatte zu etwas verdichtet werden, das wir nicht immer wiedererkennen", heißt es in dem Statement. Die Künstlerinnen und Künstler sollten daher selbst entscheiden dürfen, ob und wie sie zu politischen Themen Stellung nehmen wollen. "Macht anzusprechen kann in klar erkennbarer Weise geschehen, aber ebenso in leiseren, persönlichen Formen." Filmschaffende mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten Die Berlinale sei ein großes, vielschichtiges Festival, an dem ganz unterschiedliche Menschen partizipieren würden. Manche Filmschaffenden seien selbst betroffen von Gewalt und Genozid und riskierten aufgrund ihrer Arbeit oder ihrer politischen Haltung Gefängnis, Exil oder sogar ihr Leben. Andere würden mit ihren Beiträgen politische Debatten über Kunst und demokratische Diskussionsräume anstoßen. Die Künstlerinnen und Künstler seien frei, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung so auszuüben, wie sie selbst entscheiden. "Sie sprechen durch ihre Filme, sie sprechen über ihre Filme – und manchmal sprechen sie auch über geopolitische Themen, die mit ihren Werken verbunden sein können oder auch nicht", schreibt Tuttle. Teilnahmeboykott nach Palästina-Statement Gleich zur Eröffnung hatte ein Journalist der Berlinale vorgeworfen, sich mit Menschen im Iran und in der Ukraine solidarisiert zu haben, nicht aber mit Palästinensern . Er fragte die Jury, ob sie die "selektive Behandlung der Menschenrechte" der deutschen Regierung unterstütze. Jurypräsident Wim Wenders antwortete, sie könnten sich nicht auf das Feld der Politik begeben. Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten, sie seien ein Gegengewicht zur Politik. Das führte dazu, dass die indische Schriftstellerin Arundhati Roy ihre Teilnahme an der Berlinale absagte.