Zeit 23.02.2026
13:14 Uhr

Philippinen: Ex-Präsident Duterte wegen vielfachen Mordes vor Gericht


Vor dem Internationalen Strafgerichtshof prüfen Richter Beweise im Vorverfahren gegen Rodrigo Duterte. Die Ankläger werfen ihm unter anderem vielfachen Mord vor.

Philippinen: Ex-Präsident Duterte wegen vielfachen Mordes vor Gericht
Knapp ein Jahr nach seiner Festnahme ist das Vorverfahren gegen den ehemaligen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag eröffnet worden. Dem 80-Jährigen werden in drei Anklagepunkten Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Hintergrund sind tödliche Einsätze der Behörden gegen mutmaßliche Drogenhändler und -konsumenten in seiner Amtszeit als Staatschef sowie zuvor als Bürgermeister der Großstadt Davao. Die Vorwürfe gegen ihn, unter anderem Mord und Mordversuche in 78 Fällen, nannte der Ex-Präsident eine "ungeheuerliche Lüge". Duterte nutzte sein Recht, nicht persönlich erscheinen zu müssen, als die Ankläger damit begannen, die gegen ihn gesammelten Beweise zu präsentieren. Kampf gegen Drogen kostete Zehntausenden das Leben Das Vorverfahren ist noch kein Prozess. Die Ankläger können aber dem Gericht den Fall darlegen und Beweise vorstellen. Die Richter haben dann 60 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob diese ausreichen, um ein Hauptverfahren zu eröffnen. Eine Entscheidung wird im Mai erwartet. Der stellvertretende Chefankläger Mame Mandiaye Niang sagte, dass der Start des Verfahrens ein bedeutendes Signal für die Bevölkerung der Philippinen und das internationale Recht sei. "Es ist eine Erinnerung für alle Mächtigen, dass sie nicht über dem Recht stehen". Die philippinische Polizei nahm Duterte im März 2025 am Flughafen der Hauptstadt Manila fest. Duterte wurde in die Niederlande gebracht und dem IStGH übergeben. Gegen ihn lag ein Interpol-Haftbefehl vor. 2018 nahm der IStGH bereits Vorermittlungen wegen mutmaßlicher Mordvergehen im Zuge des staatlich organisierten Antidrogenkriegs auf. Zwar traten die Philippinen daraufhin aus dem IStGH aus, der Gerichtshof erklärte sich aber weiter für zuständig und leitete im September 2021 offizielle Ermittlungen ein, die jedoch mehrfach unterbrochen wurden. Duterte war von 2016 bis 2022 Präsident der Philippinen. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass sein Kampf gegen Drogenkriminalität bis zu 30.000 Menschen das Leben kostete. Er soll der Anklage zufolge nicht nur selbst getötet, sondern Morde auch angeordnet, geplant, finanziert und öffentlich gerechtfertigt haben .