Zeit 26.01.2026
10:24 Uhr

Personal Trainer: Was Personal Trainer über ihre Kunden denken


Ihre Klientel: High-Performer. Ihr Endgegner: deren innerer Schweinehund. Wie sie diesen schleifen. Und warum es mit Juristen und Medizinern oft mühsam ist.

Personal Trainer: Was Personal Trainer über ihre Kunden denken
"Er ließ mich für drei Wochen einfliegen, strich dann aber fast jedes Training" Niko Romm , 47, seit mehr als 25 Jahren Fitnesstrainer. Er ist Ernährungscoach und Neuro-Athletiktrainer beim 1. FC Köln, Stundensatz: ab 250 Euro Meine Klientel besteht mehrheitlich aus High-Performern, die in Führungspositionen arbeiten oder im Profisport. Ich sehe am Tag zwischen sechs und acht Kunden. Der Job ist faszinierend, weil ich so nah an den Menschen dran bin. Ich mag alle meine Kunden, aber wie in jeder Beziehung gibt es Verhaltensweisen, mit denen man schwerer als mit anderen umgehen kann. Was meine Geduld strapaziert, ist, wenn Kunden mich als Ausrede beziehungsweise als Sündenbock nutzen. Sie sagen beispielsweise: "Ich gehe jetzt dreimal die Woche zum Personal Trainer, trotzdem wird nichts besser. Was soll ich denn noch tun?" Sie versuchen, die Verantwortung von sich wegzuschieben. Ich kann dich coachen. Wege aufzeigen, Verhalten zu ändern. Ich kann dir den effektivsten Weg zeigen, ich kann aber nicht für dich essen oder die Kilometer laufen, die du brauchst, um fit zu werden. Die Umsetzung liegt immer beim Kunden selbst. Die wahrscheinlich herausforderndste Berufsgruppe sind Juristen . Das liegt daran, dass sie Hardcore-Stress haben, getrieben sind von Fristen und Deadlines. Dieser Druck sabotiert häufig alle gesunden Gewohnheiten, die ich gerne mit ihnen aufbauen möchte. Vor allem viele Anwälte gehen das "Projekt Fitness" in der Annahme an, es sei genauso kontrollierbar wie ihr Job. Die größte Herausforderung ist, den Sweetspot zu finden zwischen unrealistischen Erwartungen und den realistischen Ressourcen, die sie neben ihrem stressigen Job noch haben. Dann gibt es noch jene, die mit Idealbildern aus den sozialen Medien ankommen und beispielsweise fünf Prozent Körperfett haben wollen. Ich muss dann ein realistisches Erwartungsmanagement betreiben, manche auch desillusionieren und fragen, ob sie bereit sind, die notwendigen Opfer – gesunde Ernährung, kein Alkohol, vier- bis fünfmal die Woche Training, konstant mehr als sieben Stunden Schlaf – zu bringen. Auch Mediziner können schwierig sein. Sie haben ein sehr großes Fachwissen, hinterfragen es dann aber, wenn ich zum Beispiel ein spezifisches Blutbild anfordere. Sie sind es nicht gewohnt, dass ein Trainer ihnen fachlich auf Augenhöhe begegnen kann. Ähnlich war es mit einem Kunden aus Saudi-Arabien. Der hat sehr gut bezahlt, war es aber nicht gewohnt, dass ihm ein Trainer auf Augenhöhe begegnet. Er ließ mich für drei Wochen einfliegen, strich dann aber direkt zu Beginn fast jedes Training, weil Calls dazwischenkamen. Andere Einheiten fingen später an oder dauerten nur noch eine halbe Stunde. Das sagt etwas aus über grundsätzliche Werte – und so endete die Zusammenarbeit. Ich bin als Trainer extrem nah dran. Mit Vertrauen erzählt man sich vieles. Da gibt es auch Geschichten, die sich um Drogeneskapaden, Eheprobleme, Geschichten um Untreue und Prostituierte drehen. Ich erinnere mich an einen Vorstand, der unbedingt an meinem freien Samstag trainieren wollte. Ich ließ mich breitschlagen. Er kam zwanzig Minuten zu spät und war noch nicht nüchtern. Anstatt mich zu beschweren, habe ich den Spieß umgedreht: Ich habe mit ihm eine halbe Stunde lang Zirkeltraining gemacht, bis er die Trainingsfläche verlassen musste, um sich zu übergeben. Darüber lachen wir heute noch gemeinsam. Wenn ich merke, dass ein Kunde nicht zu mir passt, schlage ich aktiv vor, dass er zu einem Kollegen wechselt. Das mache ich nicht nur aus Selbstschutz, sondern vor allem, um dem Kunden das bestmögliche Ergebnis zu ermöglichen.