Zeit 30.11.2025
13:10 Uhr

Parteitag der AfD-Jugend: AfD-Spitze überprüft Parteimitglied nach fragwürdiger Rede


Er sprach mit rollendem R, sein Tonfall erinnerte an Adolf Hitler: Die Rede eines AfD-Parteimitglieds in Gießen sorgt für Diskussionen. Die Parteispitze überprüft ihn.

Parteitag der AfD-Jugend: AfD-Spitze überprüft Parteimitglied nach fragwürdiger Rede
Die AfD-Spitze prüft nach Angaben von Parteichef Tino Chrupalla einen fragwürdigen Auftritt eines Teilnehmers beim Gründungskongress der neuen Jugendorganisation . "Mit dem Inhalt sowie der Art und Weise seines Bewerbungsvortrags hat sich Alexander Eichwald von den Grundsätzen der Partei distanziert. Der Bundesvorstand missbilligt das ausdrücklich und sieht sich daher veranlasst, eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vorzunehmen", sagte Chrupalla der Nachrichtenagentur dpa. Bei dem Kongress in Gießen hatte sich Eichwald für einen Posten im Vorstand der neuen Jugendorganisation beworben und mit seiner Bewerbungsrede in der Halle für Verwirrung und Kritik gesorgt. Eichwald trat mit rollendem R und einer im Ton an Adolf Hitler erinnernden Rede ans Pult, sprach die Teilnehmer mit "Parteigenossen und -genossinnen" an und rief in den Saal: "Die Liebe und Treue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam" und "Es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen". Der neue Chef des AfD-Nachwuchses Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm, sagte am Tag nach dem Kongress der dpa: "Egal ob linker Provokateur, V-Mann oder einfach verrückt – wer so auftritt, hat in der AfD und ihrer Jugendorganisation nichts verloren." Der Auftritt habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig es sei, bei Aufnahmegesprächen genau hinzuschauen, wen man in die Partei aufnehme und wen nicht. Kritik aus dem Saal Von anderen Mitgliedern kam anschließend Kritik. Eichwald wurde unter großem Beifall gefragt, ob er ein V-Mann des Verfassungsschutzes sei. Sein rollendes R erklärte er damit, Russlanddeutscher zu sein. Gemutmaßt wurde auch, ob der Auftritt Teil einer Comedyaktion sein könnte, um der AfD zu schaden. Auf die Frage, ob sein Auftritt ernst gewesen sei, sagte Eichwald beim Verlassen der Tagungshalle zur dpa nur kurz "Ja". Der Mann kommt laut Chrupalla aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen. Er sei am 5. Oktober dieses Jahres in den Kreisverband Herford aufgenommen worden, den Beitritt zur Jugendorganisation habe er am 15. Oktober erklärt. Gegen den Parteitag waren in Gießen Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen die Neugründung der Jugendorganisation , deren neuer Chef ein vom Verfassungsschutz eingestufter Rechtsextremist ist. Durch zahlreiche Blockaden der Demonstranten konnte der Parteitag erst mit erheblicher Verspätung starten.