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12.02.2026
06:52 Uhr
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Anderthalb Jahre nach dem Sturz der Regierungschefin Scheich Hasina entscheidet Bangladesch über eine neue Führung. Abgestimmt wird auch über eine Reihe von Reformen.

In Bangladesch haben die ersten Parlamentswahlen nach dem Sturz der langjährigen Regierungschefin Scheich Hasina begonnen. Die Wahllokale öffneten am Donnerstagmorgen. Neben der Parlamentswahl findet eine Volksabstimmung über wegweisende politische Reformen statt. Das umfangreiche Projekt, das als "Juli-Charta" bekannt ist, sieht die zeitliche Beschränkung der Amtszeit des Regierungschefs vor. Zudem sind die Schaffung eines Oberhauses des Parlaments und eine größere Unabhängigkeit der Justiz vorgesehen. Laut Interimsregierungschef Muhammad Yunus ist das Ziel der Reform, die Rückkehr einer autokratischen Einparteienherrschaft zu verhindern. Hasina hatte Bangladesch 15 Jahre lang autoritär regiert . Beim gewaltsamen Vorgehen gegen von Studenten angeführte Proteste gegen Hasina waren im Sommer 2024 nach UN-Angaben rund 1.400 Menschen getötet worden. Hasina floh schließlich im August 2024 per Hubschrauber nach Indien, wo sie untergetaucht ist. Im November wurde Hasina von einem Gericht in Dhaka wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Mehrere Wahllokale in Brand gesetzt Hasinas frühere Partei Awami war von der Wahl ausgeschlossen worden. Die rechts der politischen Mitte stehende Nationalistische Partei Bangladeschs (BNP) geht zusammen mit ihren Partnern als Favoritin in die Wahl. Ihr Spitzenkandidat und aussichtsreicher Bewerber für das Amt des nächsten Regierungschefs ist Tarique Rahman, ein Sohn der früheren Ministerpräsidentin und langjährigen Hasina-Rivalin Khaleda Zia. Doch deuteten jüngste Umfragen an, dass es auf einen knappen Ausgang mit der größten islamistischen Partei des Landes, Bangladesh Jamaat-e-Islami, und dem von ihr angeführten konservativ-religiösen Bündnis hinauslaufen könnte. Wahlberechtigt sind rund 127 Millionen Menschen in dem südasiatischen Land, 44 Prozent von ihnen sind jünger als 37. Die Behörden erklärten, in Alarmbereitschaft zu sein, nachdem am Dienstag mehrere Wahllokale in Netrokona im Norden des Landes in Brand gesetzt worden waren. Mehr als 300.000 Einsatzkräfte sollen zur Wahl im Einsatz sein.