Zeit 06.03.2026
10:34 Uhr

Paralympische Spiele: Deutsche Parasportler wollen an Medaillenerfolg anknüpfen


Nach den Spielen ist vor den Spielen: Bei den Winterparalympics kämpfen Athleten mit Behinderungen um die paralympischen Medaillen. Das deutsche Team hat große Ziele.

Paralympische Spiele: Deutsche Parasportler wollen an Medaillenerfolg anknüpfen
Vom 6. bis 15. März finden die Paralympischen Winterspiele in Italien statt. Mehr als 650 Athleten aus etwa 50 Nationen kämpfen in sechs Sportarten und 79 Wettbewerben um die Medaillen. Wie wird bei den Wettkämpfen Chancengleichheit hergestellt? Welche Änderungen gibt es bei den diesjährigen Spielen, und welche deutschen Sportler haben Medaillenchancen ? Die wichtigsten Antworten im Überblick Wann und wo finden die Paralympischen Winterspiele statt? Die 14. Paralympischen Winterspiele finden vom 6. März bis 15. März 2026 statt. Die Wettbewerbe werden in den italienischen Orten Cortina d’Ampezzo, Mailand, Tesero und Verona ausgetragen . Die Spielstätten überschneiden sich zum Teil mit denen der Olympischen Spiele. Para-Eishockey, Para-Ski-Alpin sowie Para-Curling finden in denselben Hallen oder Skigebieten statt. Die Para-Snowboard-, Para-Biathlon- und Para-Ski-Nordisch-Wettbewerbe werden an anderen Orten ausgetragen. Das hat hauptsächlich logistische und funktionale Gründe, da die Sportstätten beispielsweise ein anderes Level an Barrierefreiheit aufweisen müssen. Zum ersten Mal werden die Paralympischen Winterspiele diesmal auch von Eurosport übertragen. Auch die ARD und das ZDF übertragen die Paralympics. Was ist der Unterschied zu den Olympischen Winterspielen? Bei den Paralympischen Spielen treten Wintersportler mit Behinderungen an. Dass die Olympischen und Paralympischen Spiele getrennt voneinander stattfinden, hat dem Sportdirektor des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Marc Möllmann, zufolge vor allem historische, organisatorisch-logistische und rechtlich-finanzielle Gründe. Der Vorläufer der Paralympics entstand nämlich erst 1948 in England bei den sogenannten Stoke Mandeville Games. Damals wollte der Neurologe Sir Ludwig Guttmann den Kampfgeist versehrter Soldaten wiedererwecken. Diese Wettkämpfe entwickelten sich dann immer weiter und wurden 1960 in Rom offiziell zu den Paralympics. Die ersten Spiele fanden 1976 im schwedischen Örnsköldsvik statt. Damals traten 250 Skirennläufer aus 14 Nationen gegeneinander an. 1992, in Albertville-Tignes in Frankreich, fanden die Paralympischen und Olympischen Winterspiele dann zum ersten Mal am gleichen Austragungsort im gleichen Jahr statt. Mittlerweile sind die Paralympics die größten Sportspiele für Menschen mit Behinderung. Die Differenzierung der Spiele liegt auch daran, dass zwei unterschiedliche Träger die Veranstaltungen organisieren – mit unterschiedlichen Finanzierungsgrundlagen. Zwar sind das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) durch Kooperationsverträge eng miteinander verbunden. Das IOC kann aber auf weitaus höhere Einnahmen zurückgreifen. Diese kommen etwa aus Fernsehrechten und Sponsorenprogrammen. Das IPC greift auch auf solche Einnahmen zurück, diese sind aber durch die deutlich niedrigere Markt- und Medienpräsenz im Vergleich viel geringer. Welche Sportarten sind vertreten? Zu den Standorten der diesjährigen Paralympischen Winterspiele zählen Mailand, Cortina d’Ampezzo, Tesero und Verona, wo auch die Eröffnungsfeier in der Verona Olympic Arena stattfindet. In Cortina d'Ampezzo werden die Wettbewerbe im Para-Snowboard im Para Snowboard Park und im Para-Ski-Alpin im Tofane Alpine Skiing Centre ausgetragen. Rollstuhl-Curling findet dort im Olympiastadion statt. In Tesero geht es im Para-Biathlon und Para-Ski-Nordisch im Cross-Country Skiing Stadium um die Medaillen. Para-Eishockey wird in Mailand in der Milano Santagiulia Eishockey Arena ausgetragen. Insgesamt gibt es sechs Sportarten und 79 Wettbewerbe im Rollstuhl-Curling, Para-Snowboard, Para-Ski-Alpin, Para-Biathlon, Para-Langlauf und Para-Eishockey. In diesem Jahr wird das Rollstuhl-Curling um eine Kategorie erweitert. Neben den Wettbewerben im Mixed-Team treten die Athleten erstmals auch im Mixed-Double an. Dabei besteht ein Team aus einem Mann und einer Frau, das acht Ends mit je fünf Steinen spielt. Die Person, die zuerst wirft, muss auch den letzten Stein werfen. Im Para-Ski-Alpin und im Para-Ski-Nordisch gibt es außerdem eine neue Klassifizierungssystematik. So gibt es im Para-Ski-Alpin im Bereich der Sehbehinderungen vier Startklassen. Im Para-Wintersport gibt es immer wieder die Diskussion um weitere Disziplinen, wie zum Beispiel Para-Bob. Der DBS verhält sich in der Debatte eigenen Angaben zufolge neutral. "Die Aufnahme einer Sportart geht meist zulasten einer anderen Sportart, zur Reduzierung des Teilnehmerfeldes oder der Startklassen", sagte Sportdirektor Möllmann der ZEIT. Wie wird der Parasport vergleichbar gemacht? Ein Klassifizierungssystem soll die Wettkämpfe im Parasport möglichst fair und vergleichbar machen. Je nach Art und Schwere der Behinderungen (körperlich, geistig oder Sehbehinderung) werden die Athletinnen und Athleten in Startklassen eingeteilt. Grundlage für die Klassifizierung sind sportliche und psychologische Tests sowie medizinische Untersuchungen. Die Startklassen bestehen aus einer Buchstaben-Zahlen-Kombination, bei der gilt: je niedriger die Klassennummer, desto höher die Schwere der Behinderung. Zusätzliche Regeln sollen die Fairness erhöhen. So tragen zum Beispiel sehbehinderte Sportler der Klasse B1 im Para-Ski-Alpin zusätzlich lichtundurchlässige Brillen. In anderen Disziplinen gibt es Zeit- oder Punktevorteile für stärker behinderte Personen. Am Klassifizierungssystem gibt es aber auch immer wieder Kritik wegen möglicher Betrugsversuche. Einzelnen Athletinnen oder Athleten wird vorgeworfen, Tests zu manipulieren, um so in einer Klasse eingestuft zu werden, in der sie bessere Chancen hätten. Auch wurde in der Vergangenheit den Klassifizierenden mangelnde Unabhängigkeit vorgeworfen. Mittlerweile wurde laut Marc Möllmann vom DBS die Transparenz bei den Klassifizierungen verbessert und das System professionalisiert. Fehler könne man aber natürlich nie ganz ausschließen. Wer tritt für Deutschland an? Das deutsche Aufgebot aus zehn Athletinnen und 28 Athleten tritt in fünf Sportarten an. Im Para-Ski-Alpin, Para-Biathlon, Para-Skilanglauf, Para-Eishockey und Para-Snowboard will das drittgrößte deutsche Team in der Geschichte der Paralympischen Winterspiele Medaillen sammeln. "Wir wollen, was die gesamte Medaillenanzahl angeht, an die Erfolge von Peking anknüpfen", sagte Marc Möllmann. Platz sechs im Medaillenspiegel sei das Ziel und der DBS sei zuversichtlich, "dass wir mit dem nominierten Team für die Erfolge sorgen können". In Peking 2022 gewannen die Deutschen 19 Medaillen bei den Winterparalympics, genauso viele wie bei den Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang. Im Para-Biathlon könnte Johanna Recktenwald mit ihrem Guide Emily Weiss als aktuelle Weltmeisterin im Einzel um Medaillen laufen. Die Vizeweltmeisterin im Sprint, der Sprintverfolgung und in der Langlauf-Mixedstaffel wurde Vierte bei den letzten Winterparalympics 2022 auf der Biathlon-Mitteldistanz und im Einzel. Im Para-Ski-Alpin ist Anna-Lena Forster eine der Topfavoritinnen. Bei den Spielen 2022 gewann sie zwei Gold- und zwei Silbermedaillen. Zudem ist Forster mehrfache Weltmeisterin im Slalom, Super-G und in der Super-Kombination. Wie viele Nationen nehmen teil? Zu den Paralympics in Italien werden mehr als 650 Athleten aus etwa 50 Nationen erwartet. Aus Deutschland werden 38 Athleten teilnehmen. In diesem Jahr dürfen auch wieder russische und belarussische Athleten unter ihrer Flagge an den Spielen antreten. Das IPC hatte auf seiner Generalversammlung in Seoul im September 2025 beschlossen, die Sanktionen gegen Russland und Belarus aufzuheben . Außerdem wurden die beiden Nationalen Paralympischen Komitees wieder als volle Mitglieder in die Organisation aufgenommen. Das IPC hatte Russland und Belarus 2023 wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine teilweise suspendiert. Das ist aber auch ein Grund für die Ukraine, bei der Eröffnungsfeier aufgrund der Entscheidung des IPC nicht zu erscheinen . "Wir werden nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Wir werden an keinen anderen offiziellen paralympischen Veranstaltungen mitwirken", teilte der ukrainische Sportminister Matwij Bidny in den sozialen Medien mit. Auch Polen kündigte an, aus Protest keine Regierungsvertreter zur Eröffnungsfeier zu schicken. Italien als Gastgeber kritisierte ebenfalls die Zulassung der Sportler aus Russland und Belarus .