Zeit 03.01.2026
19:49 Uhr

Opposition in Venezuela: Was jetzt auf Venezuelas Opposition zukommt


Jubel angesichts der Gefangennahme Maduros durch die USA? Seine Gegner sind nicht einig, und ihre Anführerin ist nicht im Land. Hat die Opposition trotzdem eine Chance?

Opposition in Venezuela: Was jetzt auf Venezuelas Opposition zukommt
Die Welt erstarrte am Samstagmorgen nach dem US-Militärangriff auf Caracas und nach der Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro und seiner Frau. Doch in Caracas – vor allem in seinen oppositionsfreundlichen Stadtteilen im Osten – waren kurz nach dem Überflug von US-Flugzeugen und nach den Explosionen in der Stadt ein paar schüchterne Jubelrufe zu hören: "Venezuela libre!", klang es von einigen Balkonen herab, Freiheit für Venezuela! So berichten es der ZEIT örtliche Journalisten, die aus Angst vor Repressionen nicht namentlich genannt werden wollen. Das zeigt das Spannungsfeld aus, in dem sich die venezolanische Opposition befindet: Kann man, darf man es gutheißen, dass eine ausländische Macht militärische Eingriffe auf See und jetzt auf die Hauptstadt startet, bei denen in den vergangenen Wochen mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen sein sollen? Aber was soll man machen, wenn ein von Jahr zu Jahr repressiveres Regime die Wirtschaft zugrunde richtet, Millionen Venezolaner aus Armut in andere Länder fliehen lässt, Wahlen fälscht und Hunderte von politischen Gegnern in Foltergefängnisse steckt? Das Dilemma, zusammen mit der Angst in den Stunden nach der Intervention, erklärt, warum die größeren Feiermomente vornehmlich aus der venezolanischen Diaspora berichtet wurden: "Der Tyrann ist gefallen", "Er ist weg!" und die Nationalhymne Ruhm dem tapferen Volk! sind seit Stunden in venezolanischen Exil-Hochburgen im US-Bundesstaat Florida, im spanischen Madrid und in Santiago de Chile zu hören. Für die Opposition in Venezuela geht es jetzt um ganz andere Fragen: Gibt es nach der Entfernung Maduros einen Regimewechsel, eine Übergabe der Regierungsgeschäfte an ihre Vertreter? Wäre die venezolanische Opposition in der Lage, das Militär und die Polizeikräfte zu kontrollieren und eine Regierung aufzubauen? Kann sie die in zwei Lager gespaltene venezolanische Gesellschaft für einen Wiederaufbau zusammenbringen? Das scheint umso komplizierter, weil Donald Trump später am Samstag erklärte, die USA würden das Land zunächst selbst führen. Wie das genau gehen soll, kann sich bislang niemand vorstellen. Denkbar ist sogar ein Deal mit Vertretern des Maduro-Systems, zum Beispiel der jetzigen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez. In diesem Kontext sagte die venezolanische Opposition in den ersten Stunden nach den Angriffen zunächst nichts – bis ihre profilierteste Sprecherin einen wohlüberlegten Auftritt hinlegte. Die umstrittene Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado erklärte, sie sei "bereit, das Kommando zu übernehmen". Sie und der Oppositionspolitiker Edmundo González, der 2024 für die Opposition bei der Präsidentschaftswahl kandidiert hatte und nach den Darstellungen der Opposition der wahre Gewinner bei dieser Wahl war. Sie sprach von einem "historischen Moment". Von einem "Fahrplan für die sofortige politische Machtübergabe". Allerdings vermied sie es, die US-Militäroperation direkt zu loben. So war es auch in den Wochen zuvor gewesen. "Ich unterstütze voll die Strategie von Präsident Trump", hatte sie im Dezember in einem Interview mit dem US-Sender CBS gesagt. Sie ließ sich aber nicht darauf ein, ob sie auch hinter den militärischen Schlägen der USA auf venezolanische Boote steht. Kurz nach dem Erhalt ihres Friedensnobelpreises hatte sie bei einer Pressekonferenz in Oslo betont, dass sie "keine direkte Teilhabe" an den militärischen Operationen habe. Nach so viel Herumgeeiere wiederum sagte Trump über Machado am Samstag in seiner Pressekonferenz, sie habe seiner Meinung nach weder "die Unterstützung noch den Respekt" in ihrem eigenen Land. Das kann man tatsächlich so sehen: Die oppositionellen Gruppen in Venezuela sind vielschichtig und zersplittert. Sie reichen von kommunistisch bis rechtsextrem, mit zahlreichen, teilweise sehr widersprüchlichen Vorstellungen und Zielen auch in der bürgerlichen Mitte. Ein wichtiger Streitpunkt, über den sich auch Maduro-Gegner nicht einigen können: Wie hält man es mit den USA, die sich in Lateinamerika immer schon übergriffig aufgeführt haben?