Zeit 18.02.2026
08:27 Uhr

Olympische Winterspiele: Russin trug Ukraine-Schild bei der Eröffnungsfeier


Aus Protest gegen den Krieg hat eine Russin das ukrainische Team bei der Olympia-Eröffnungsfeier ins Stadion geführt. Zunächst blieb sie anonym, jetzt spricht sie.

Olympische Winterspiele: Russin trug Ukraine-Schild bei der Eröffnungsfeier
Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina hat eine Russin das Schild der ukrainischen Mannschaft ins Stadion getragen. Die in Mailand lebende Anastasia Kutscherowa wollte damit gegen den Angriffskrieg protestieren, den ihr Heimatland gegen die Ukraine führt. Als eine der Freiwilligen hatte sie sich vorab dafür entschieden, das Schild der ukrainischen Mannschaft zu tragen. Bisher war es nicht öffentlich bekannt gewesen, dass es sich bei der Schildträgerin um eine Russin handelte. Kutscherowa trug einen langen silbernen Wintermantel mit Kapuze und eine dunkle Brille, so wie alle anderen Schildträger bei der Eröffnungsfeier am 7. Februar auch. Ihren Auftritt enthüllte die Architektin Kutscherowa zunächst bei Instagram und dann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. "Wenn du an der Seite dieser Menschen gehst, begreifst du, dass sie jedes menschliche Recht haben, Hass gegenüber jedem Russen zu verspüren", sagte sie. "Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, selbst eine kleine Tat zu tun, um ihnen zu zeigen, dass vielleicht nicht alle Menschen so denken." "Es gibt kein Wort, das Verzeihung nahekommt" Zur ukrainischen Delegation gehörten zwei Sportler, deren Väter im Krieg an der Front kämpfen. "Es gibt buchstäblich nichts, was du sagen kannst, das den Schaden rückgängig machen kann, den diese Menschen bereits erlitten haben, und es gibt kein Wort, das Verzeihung nahekommt", sagte Kutscherowa. Kutscherowa lebt seit 14 Jahren in Mailand. Russland hat sie nach eigenen Angaben seit 2018 nicht mehr besucht. Sie wisse, dass sie ein Risiko eingehe, indem sie öffentlich Stellung gegen die russische Regierung beziehe. "Ich muss deswegen besorgt sein und ich soll deswegen Angst haben", sagte sie. "Und ich kann nicht garantieren, dass mein Protest niemandem schaden wird, den ich kenne." Aber ihrer Meinung nach würde es bedeuten, dass das Regime gewonnen hätte, "wenn ich, die in einem demokratischen Land lebt und alle Freiheiten genießt, Angst habe". Kurz bevor sie ins Stadion eingelaufen seien, habe sie sich umgedreht und zu den Ukrainern gesagt, dass sie sich auf Standing Ovations gefasst machen könnten. Die Ukrainer hätten skeptisch gewirkt. Als dann der Jubel ausbrach, sei es ihr so vorgekommen, als ob das gesamte Stadion "ihre Unabhängigkeit anerkennt, ihren Freiheitswillen anerkennt, ihren Mut, es den ganzen Weg zu Olympia zu schaffen". Sie habe weinen müssen, sagte Kutscherowa. Der russische Angriffskrieg ist damit nicht zum ersten Mal Thema bei den diesjährigen Winterspielen. Große Debatten hat die Disqualifikation des ukrainischen Skeletonis Wladyslaw Heraskewytsch ausgelöst. Dieser wollte mit seinem Helm an im Krieg getötete Sportler erinnern , was das IOC nicht zuließ. Alles Wichtige zu den Olympischen Winterspielen lesen Sie in unserem Liveblog .