Zeit 08.02.2026
10:43 Uhr

Olympische Winterspiele: Die deutsch-österreichische Eiskanal-Soap


Heute ist Showtime im Duell mit Schorsch Hackl. Für Felix Loch sieht's schlecht aus, aber Rodeldeutschland hat natürlich noch andere Kufen in der Rinne. Der Olympiatag

Olympische Winterspiele: Die deutsch-österreichische Eiskanal-Soap
Über wen reden heute alle? Über Francesca Lollobrigida. Ja, genau, Lollobrigida. Francesca ist die Großnichte der verstorbenen Filmikone Gina Lollobrigida . Aber nicht nur deswegen kennt sie in Italien seit spätestens Samstag jeder. Sie gewann Gold im Eisschnelllauf über 3.000 Meter, der erste Olympiasieg einer Italienerin im Eisoval überhaupt. Und eine mittlere Sensation, weil sonst immer Niederländerinnen gewinnen. So konnte Francesca Lollobrigida (ihr Cousin ist der Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida, aber der hat etwas weniger Grandezza als "La Lollo" und kann nicht so schnell eislaufen wie Francesca) ihr Glück kaum fassen. Als ihr Erfolg fix war, wickelte sie sich in eine italienische Flagge, rannte durch den Kabinentrakt und nahm ihren zwei Jahren alten Sohn Tommaso auf den Arm. Geburtstag hatte sie auch noch, wurde 35 Jahre alt. Wir hoffen für sie, dass sie an diesem Tag auch einen Lottozettel abgegeben hat. Wer wird heute wichtig? Lindsey Vonn. Weil sie mit 41 Jahren noch eine Medaille möchte. Weil sie vor sieben Jahren eigentlich schon zurückgetreten war. Weil sie mit einem Titanknie fährt. Und weil sie sich eine Woche vor den Spielen im anderen Knie das Kreuzband riss. Aber eine Lindsey Vonn braucht kein Kreuzband. Nicht einmal für die sagenhafte Olimpia delle Tofane in Cortina. Bei den Trainingsläufen für das Abfahrtsrennen (Start: 11.30 Uhr) hielt alles, (kann ja auch nichts mehr kaputtgehen). Tatsächlich sind solche sportlichen Höchstleistungen ohne Kreuzband möglich, weil die Muskulatur der Spitzenathletinnen so ausgeprägt ist, dass sie die Funktion des Bandes teils kompensieren. Für Normalos wie uns gilt: Bitte nicht nachmachen . Was machen die Deutschen? Rodeln. Natürlich. Deutsche Schlitten im Eiskanal sind ein Medaillengarant, schon immer gewesen. Auch in diesem Jahr sieht es gut aus. Der Favorit im Einzel, Felix Loch, hat nach einem Fahrfehler im ersten Lauf zwar kaum noch Chancen auf eine Medaille, aber Deutschland wäre nicht das Land der Rodler und Lenker, wenn nicht jemand anderes parat läge: Max Langenhan befindet sich nach zwei von vier Durchgängen auf Goldkurs. Nur 0,162 Sekunden dahinter der Österreicher Jonas Müller, betreut von niemand Geringerem als der deutschen Rodellegende Georg Hackl. Den hat mein Kollege Nico Horn in Cortina getroffen und ihn gefragt, warum er ausgerechnet für den größten Rivalen arbeitet . Wie diese Eiskanal-Soap ausgeht, erfahren sie ab 17 Uhr. Neues aus Norditalien Mein Kollege Fabian Scheler hat sich am Samstag den Abfahrtslauf der Männer in Bormio angeschaut – und wurde selbst ganz genau begutachtet. Er hat mir das hier geschrieben: "Das IOC und seine Sponsoren, es ist eine lange Geschichte für sich. Wer dem IOC nicht als offizieller Sponsor Geld überweist, darf in der olympischen Welt nicht existieren. Das führt zu einem ulkigen Job, dem in Bormio drei Kontrolleure nachgehen. Mit Argusaugen scannen sie Klamotten, Rucksäcke und Skihelme aller Akkreditierten, die an ihnen vorbeikommen. Kommt ein Härtefall (ich), zücken sie eine zentimetergenaue Schablone und messen IOC-fremde Logos und Markennamen nach. Was zu groß ist, wird rigoros abgeklebt. Meinen Columbia-Rucksack hat es erwischt, der ist jetzt offiziell IOC-markenneutralisiert. Immerhin haben die Kontrolleure mit mir über diesen Wahnsinn gelacht, als sie das Tape aufkleben durften."