Zeit 16.02.2026
18:39 Uhr

Olympische Winterspiele: Athleten und Athlethinnen beklagen zunehmenden Hass im Netz


Bei den Winterspielen in Italien erleben Sportler immer mehr Anfeindungen und Angriffe im Netz. Der DOSB setzt KI ein, um Hasskommentare zu erkennen und zu stoppen.

Olympische Winterspiele: Athleten und Athlethinnen beklagen zunehmenden Hass im Netz
Sportlerinnen und Sportler sind bei den Olympischen Winterspielen in Italien massiven Anfeindungen im Netz ausgesetzt. Im Vergleich zu den Sommerspielen in Paris hat sich die Problematik noch einmal verschärft. "Unsere Befürchtungen, dass sich dieses Thema weiter zuspitzen wird, sind leider wahr geworden", teilte Olaf Tabor, Leistungssport-Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), mit. Um dem entgegenzuwirken, setzt der DOSB – wie schon vor zwei Jahren in Paris – auf künstliche Intelligenz, die den Athletinnen und Athleten zur Verfügung gestellt wird. Die KI erkennt Beleidigungen, Drohungen sowie rassistische, sexistische und andere diskriminierende Inhalte in Echtzeit. "Bislang wurden bereits gut 1300 Hasskommentare von der KI herausgefiltert, einige davon werden von der Staatsanwaltschaft untersucht", sagte Tabor. Bei Olympia 2024 erfasste die KI laut DOSB mehr als 61.000 Kommentare, von denen knapp 4.000 automatisch ausgeblendet wurden. Biathletin Voigt und Skispringer Raimund berichten von Online-Hass Trotz dieser Bemühungen kommt es weiterhin zu unangemessenen Nachrichten, wie Biathletin Vanessa Voigt nach ihrem vierten Platz im Einzel deutlich machte. Obwohl sie ihr bestes Saisonergebnis erzielt hatte, rechnete sie mit negativen Kommentaren und kündigte eine Social-Media-Pause an. "Wir sehen/hören uns nach Olympia. Hier wird es jetzt ruhig – mein Fokus liegt woanders", schrieb die 28-Jährige auf Instagram. Nach seinem Absturz in der olympischen Kür hat auch Eiskunstlaufstar Ilia Malinin mentale Gesundheitsprobleme angedeutet, unter anderem wegen Hass im Netz. "Auf der größten Bühne der Welt führen selbst die anscheinend Stärksten innerlich unsichtbare Kämpfe. Selbst die schönsten Erinnerungen können vom Lärm überschattet werden", schrieb der 21-Jährige und zweimalige Weltmeister bei Instagram. Malinin sprach von "niederträchtigem Online-Hass", dieser "greift die Psyche an, und Angst zieht sie in die Dunkelheit, egal wie sehr man versucht, angesichts des endlosen, unerträglichen Drucks die Fassung zu bewahren. All das staut sich auf, während diese Momente an einem vorbeiziehen, und führt unweigerlich zum Zusammenbruch." Auch Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund berichtete im Bayerischen Rundfunk (BR) von Online-Hass. "Es fängt an bei: ‚Du bist unfähig, du bist ein arrogantes Arschloch‘, bis hin zu harmloseren Kommentaren wie: ‚Der deutsche Skisport geht unter. Es ist erbärmlich, was ihr hier bringt, die Teamleistung ist absolut unterirdisch.‘" Expertin: Nachrichten zuerst von vertrauten Personen sichten lassen Die Expertin Marion Sulprizio von der Deutschen Sporthochschule Köln empfiehlt Sportlerinnen und Sportlern, während der Wettkämpfe Nachrichten entweder gar nicht anzusehen oder sie von vertrauten Personen sichten zu lassen. "So haben wir es zumindest von Athletinnen und Athleten berichtet bekommen: Sie geben ihr Handy zunächst der Partnerin, der Mutter oder dem Manager", sagte sie. Auf diese Weise könnten vertraute Personen die Sportlerinnen und Sportler vor zusätzlicher Belastung durch Hatespeech schützen. Hass im Internet während der Olympischen Spiele ist ein internationales Problem. Zahlreiche Athleten und Athletinnen sind davon betroffen. Besonders prominent waren in den vergangenen Tagen die Fälle von US-Sportlerinnen und Sportlern, die sich kritisch über ihre Regierung unter Präsident Donald Trump geäußert hatten.