Zeit 09.12.2025
20:48 Uhr

Österreich: UN-Sonderbeauftragte kritisiert verbreiteten Rassismus in Österreich


Nach einem einwöchigen Besuch in Österreich hat die UN-Sonderberichterstattung den Rassismus in dem Land kritisiert. Die Regierung in Wien müsse dringend handeln.

Österreich: UN-Sonderbeauftragte kritisiert verbreiteten Rassismus in Österreich
In der österreichischen Gesellschaft gehört Rassismus laut einer UN-Sachverständigen zum Alltag. Ungeachtet der ethnischen Vielfalt in der Bevölkerung sei rassistisches Überlegenheitsdenken tief verwurzelt und weitverbreitet , mahnte die Sonderberichterstatterin für neue Formen von Rassismus, Ashwini K. P., nach einem einwöchigen Besuch in Wien. Trotz einschlägiger Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze müsse die Regierung "dringend weitere wichtige Maßnahmen" ergreifen. Die Sonderberichterstatterin verwies auf den Rechtspopulismus in Österreich und dessen zunehmende Präsenz in der Bundes- und Landespolitik. Dies könne Rassismus "stark befeuern". Die rechtspopulistische FPÖ wurde bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr noch vor der ÖVP und SPÖ stärkste Kraft. Während sie nicht in der Nationalregierung vertreten ist, ist sie Teil von fünf der neun Landesregierungen. Ashwini äußerte sich überrascht über eine "Akzeptanz ethnisch-nationalistischer Vorstellungen, laut denen die österreichische Identität grundsätzlich mit weißer Hautfarbe verbunden ist", obwohl die österreichische Gesellschaft seit Langem vielfältig sei und dadurch auch gestärkt werde. Verbreitet sei auch die Haltung, Rassismus und seine Folgen für die Betroffenen nicht anzuerkennen, sagte Ashwini. Knapp die Hälfte der Migranten fühlt sich benachteiligt Die Herabsetzung trifft laut Ashwini Menschen afrikanischer, arabischer oder asiatischer Herkunft, aber auch Juden, Muslime und Roma. Als Formen struktureller Ausgrenzung nannte sie Hassreden, Hassverbrechen, Racial Profiling und Diskriminierung in den Bereichen Bildung, Wohnen und Beschäftigung. Ihren Bericht legt die Expertin im Juni 2026 dem UN-Menschenrechtsrat vor. Statista erfasst für das Jahr 2024 in Österreich 1.647 rassistische Vorfälle. Damit stieg die Fallzahl im Vorjahresvergleich an und erreichte den höchsten Stand seit 2020. Dies könnte allerdings auch mit einem veränderten Meldeverhalten zusammenhängen, merken die Statistiker an. In einer Umfrage gab zudem knapp die Hälfte der Migranten an, mindestens gelegentlich wegen ihrer Zuwanderung benachteiligt zu werden.