Zeit 03.03.2026
02:39 Uhr

Ölversorgung: Irans Revolutionsgarde prognostiziert Ölpreis von 200 US-Dollar


Der Iran droht damit, jedes Schiff zu verbrennen, das die Straße von Hormus zu passieren versucht. Auch Pipelines würden attackiert. Kein Tropfen Öl solle durchkommen.

Ölversorgung: Irans Revolutionsgarde prognostiziert Ölpreis von 200 US-Dollar
Ein General der iranischen Revolutionsgarde hat erneut gezielte Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus verkündet, um den Rohstoffmarkt zu stören und die globalen Ölpreise auf bis zu 200 US-Dollar zu treiben. Irans Truppen würden "jedes Schiff verbrennen", das die Meerenge – ein Nadelöhr für den globalen Frachtverkehr – zu passieren versuche, drohte General Sardar Dschabbari im Onlinedienst Telegram. "Wir werden auch Ölpipelines angreifen und nicht zulassen, dass auch nur ein Tropfen Öl die Region verlässt", fügte Dschabbari hinzu. "Der Ölpreis wird in den kommenden Tagen 200 Dollar erreichen." Es ist die bisher expliziteste Äußerung zum Status der Meerenge. Am Samstag hatte die iranische Revolutionsgarde verkündet, die Route sei ab sofort für den internationalen Schiffsverkehr gesperrt . Zahlreiche Reedereien und Kreuzfahrtschiffe hatten daraufhin ihre Fahrten ausgesetzt . Ein unter der Flagge von Honduras fahrender Tanker stand nach einem Drohnenangriff am Montag bereits in der Meerenge in Flammen, berichteten iranische Medien unter Berufung auf ‌die Revolutionsgarde. Reedereien halten Krisensitzungen ab Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) ist die Straße von Hormus aktuell physisch nicht blockiert. Die Lage sei aber besorgniserregend. In vielen Mitgliedsunternehmen liefen fortlaufend Krisensitzungen. Die eskalierende Lage beeinträchtigt die globalen Rohstoffmärkte. Öl- und Gaspreise stiegen deutlich . Der Preis für Brent-Öl kletterte zwischenzeitlich auf mehr als 80 US-Dollar je Barrel (159 Liter) und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2024. Am Montag lag der Ölpreis für die Sorte WTI zum Börsenschluss in den USA bei 71,23 US-Dollar je Barrel und für die Nordseesorte Brent bei 77,74 US-Dollar je Barrel. In den USA ist der durchschnittliche Benzinpreis erstmals seit November wieder auf drei US-Dollar pro Gallone (etwa 0,68 Euro pro Liter) gestiegen. Angesichts des Krieges gegen den Iran erwarten Experten in dieser Woche einen weiteren Anstieg auf bis zu 3,25 US-Dollar. Wirtschaftsweise Grimm warnt vor Energieschock in Europa Die Wirtschaftsweise Veronika ​Grimm hat wegen des Krieges im Nahen Osten auch vor einem neuen Energiepreisschock für Deutschland gewarnt. "Ein erneuter Energieschock würde eine ​Wirtschaft belasten, die sich ⁠noch immer von den vergangenen ​Preissprüngen erholt", sagte Grimm dem RedaktionsNetzwerk Deutschland . "Eine längere Eskalation oder gar eine Störung zentraler Transportwege könnte darüber hinaus neue Lieferkettenprobleme verursachen." Für Europa bedeute das "steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit". Zahlreiche Analysten hielten ⁠einen Ölpreis ​von über 100 Dollar für möglich, wenn die Straße von Hormus faktisch ​gesperrt bleibe. Die drastischste Prognose stammt zurzeit von Analysten der Marktanalysefirma Bernstein Research. Sie erhöhten am Montag ihre Ölpreiserwartung von 65 US-Dollar auf 80 US-Dollar je Barrel. Im schlimmsten Fall eines anhaltenden Konflikts sei auch ein Ölpreis von bis zu 150 US-Dollar möglich. Die Europäische Union bereitet sich bereits auf mögliche Notlagen vor. Es werde ein Energie-Krisenstab mit den Mitgliedsstaaten eingerichtet, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach einer Sondersitzung in Brüssel mit. Das Krisengremium soll Reaktionen auf rasant steigende Öl-, Sprit- und Gaspreise planen. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean. Täglich werden etwa 20 Millionen Barrel Rohöl und Erdölprodukte durch die Straße von Hormus transportiert, was bis zu 30 Prozent des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Öls entspricht. Etwa 20 Prozent des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas (LNG) werden über den Schifffahrtsweg abgewickelt, wobei der Großteil aus Katar stammt. Verfolgen Sie alle weiteren Entwicklungen zum Irankrieg und der Lage in Nahost in unserem Liveblog .