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13.02.2026
18:28 Uhr
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Besonders schwere Videospiele sind sehr beliebt. Das Samurai-Abenteuer "Nioh 3" kann mit den härtesten mithalten. Und zeigt doch: Der Trend ist am Ende.

Ob mit Ninja-Stirnband oder in bunt gefederter Samurai-Rüstung: Es wird wieder gekämpft, geblutet und gestorben. Gerade Letzteres wird in Nioh 3 immer wieder passieren, aber zumindest vor schönen Kulissen. In Schneefeldern und idyllischen Fischerdörfern, auf ruhigen Seen und im Schlachtfeldgetümmel werden Katanas gekreuzt und Blut vergossen. Wer keinen Spaß am virtuellen Sterben und Lernen hat, wird auch hier kaum Spaß finden. Wer sich an Gegnern gerne die Zähne ausbeißt, umso mehr. Schließlich ist Nioh 3 ein Soulslike. Damit sind Spiele gemeint, die sich in ihrer Machart und Mechanik auf die Dark-Souls -Reihe beziehen, bekannte Action-Rollenspiele im düsteren Fantasy-Setting. Soulslike ist eines der beliebtesten Genres des letzten Jahrzehnts. Charakteristisch für sie ist ihr gnadenlos hoher Schwierigkeitsgrad, den Spieler besonders bei den Bossgegnern zu spüren bekommen. Als die Entwicklungsschmiede FromSoftware 2011 den ersten Teil von Dark Souls veröffentlichte, verkaufte es sich millionenfach. Viele Studios kopierten dessen Erfolgsformel in den unterschiedlichsten Szenarien. Doch die meisten Nachzügler konnten dem Genre kaum etwas Neues hinzufügen. Mit den ersten beiden Teilen von Nioh ist es dem japanischen Entwickler Team Ninja noch am ehesten gelungen, eigene Akzente zu setzen. Sie versetzten den Spieler nicht nur in das bunte, fantasievolle Mittelalter Japans, sondern gaben ihm auch rasante, auf perfektes Timing ausgelegte Kämpfe an die Hand. Das aktuelle und voraussichtliche letzte Nioh 3 kann sich sogar mit dem FromSoftware-Erfolgspiel Elden Ring von 2022 messen. Mutanten, Monster, Power Rangers Auch im dritten Teil geht es wieder in das feudale Japan von 1622, in dem die Monster und Wesen aus der Folklore lebendig und gefährlich werden. Hauptcharakter und Spielfigur Tokugawa Takechiyo soll der nächste Shogun und damit mächtigster Herrscher im Land werden, doch der herrschsüchtige Kunimatsu will das Amt an sich reißen und beschwört eine Schar an blutrünstigen Dämonen. Bevor das Gemetzel beginnt, kann man im Charakter-Editor nicht nur die Höhe der eigenen Augenbrauen und Stimme festlegen, sondern auch die Hautfarbe. Im zuletzt veröffentlichten Assassin's Creed Shadows brachen über so etwas noch kulturkampfartige Debatten aus: Während die eine Seite von Wokeness sprach, bemängelte die andere, dass man Japan nie als eigenständige Kultur darstelle. Um Nioh 3 gibt es solche Diskussionen nicht, womöglich weil es sich deutlich mehr übernatürlicher Elemente bedient als noch Assassin's Creed Shadows . So kämpft man gegen Geisterwesen und Ungeheuer, mehrarmige Mutanten, geflügelte und gehörnte Monster, aber auch menschliche Gegner. Diese erinnern in ihren übergroßen Rüstungen aber mehr an Power Rangers als an eine realistische Darstellung der Samurai. Doch wer erwartet bei Nioh 3 schon Realismus oder historische Faktentreue? Die Story ist nur Mittel zum Zweck, um dem Spieler abwechslungsreiche Schauplätze und Gegner zu präsentieren. Viele der Monster orientieren sich an den traditionellen Darstellungen in der japanischen Kunst, nur eben in Größe und Erscheinung für ein Actionspiel angepasst. Die sogenannten Yokai sind äußerst kreativ gestaltet: Mal treten sie als gepanzerte Krabbe auf, mal nehmen sie die Form eines lebendigen Wandstücks an oder aber die eines einäugigen, aggressiven Regenschirms. Die Visualisierung der japanischen Mythen war in den ersten beiden Nioh -Teilen noch etwas vollkommen Neues und sorgte für eine eigene, viel gelobte Handschrift. Im dritten Teil hat man sie perfektioniert. Die Yokai sind nicht weniger kreativ, gleichzeitig kann Team Ninja nicht mehr mit vollkommen neuen Einfällen oder Designentscheidungen überraschen. Neben dem Design ist die Reihe für ihre Inszenierung der Action bekannt geworden. Nioh 3 bleibt bei der Tradition der Vorgänger und gibt den Spielern so viele Waffen an die Hand, dass es an Überfluss grenzt. Es wird auf nahe, mittlere und weite Distanz mit Äxten, Speeren und Schwertern gekämpft, mit Krallen, Kriegshämmern, Wurfsternen und Bögen. Und sagt einem eine Waffe nicht zu, kann man sie gegen zig andere austauschen. Einfacher wird der Kampf trotz dieser Fülle an Mordwerkzeugen nicht. Gerade die Ausdauer, hier Ki genannt, geht schnell aus, wenn man sie nicht nach jeder Attacke regeneriert. Und weicht man dem gegnerischen Schlag zu früh aus oder pariert ihn zu spät, wird das mit extremem Schaden oder direkt dem Game Over bestraft, wie man es von einem Spiel dieses Genres auch erwartet. Schleichen und Angriffe aus dem Hinterhalt sind zwar möglich und oft hilfreich, doch versteht sich Nioh 3 primär als kampflastiges Spiel und will auch als solches gespielt werden.