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05.02.2026
05:06 Uhr
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Erstmals seit Jahrzehnten ist den Atomarsenalen Russlands und der USA keine Obergrenze mehr gesetzt. Der UN-Generalsekretär spricht von einem "schwerwiegenden Moment".

Der atomare Rüstungskontrollvertrag New Start zwischen Russland und den USA ist am heutigen Donnerstag ausgelaufen. Erstmals seit über einem halben Jahrhundert gibt es nun keine Beschränkungen für die Atomwaffenarsenale der beiden Länder mehr. UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem "schwerwiegenden Moment für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit". Er rief Russland und die USA dazu auf, sich unverzüglich auf einen Nachfolgevertrag zu einigen. "Das Risiko eines Einsatzes von Atomwaffen ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr", sagte Guterres. Die Auflösung des New-Start-Vertrags könne "zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen". Experten befürchten, dass beide Länder ihre Atomstreitkräfte nun langfristig aufrüsten könnten, was ein neues atomares Wettrüsten in Gang setzen könnte . Russland hatte zuvor mitgeteilt, von der US-Regierung keine Antwort auf das Angebot einer Verlängerung des Abkommens um ein Jahr erhalten zu haben. Diese "bewusste" Entscheidung der USA sei "fehlerhaft" und bedauerlich, hieß es vom Außenministerium in Moskau laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Russland will "verantwortungsbewusst und umsichtig" handeln Öffentliche Erklärungen seitens der USA ließen nicht darauf schließen, dass sich die USA noch an das Abkommen gebunden fühlten, heißt es weiter in der Erklärung des Außenministeriums. Dementsprechend sehe sich auch Russland nicht mehr an die Verpflichtungen des Rüstungskontrollvertrags gebunden und betrachte sich als "frei in der Entscheidung über weitere Schritte". Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, man wolle "verantwortungsbewusst und umsichtig handeln". Russland sei jedoch bereit, "entschiedene" Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sollte seine nationale Sicherheit bedroht sein. USA fordern Einbezug von China Die Regierung in Washington, D. C. forderte, China in ein zukünftiges Abkommen einzubeziehen. Für wahre Rüstungskontrolle im 21. Jahrhundert sei es unmöglich, "etwas zu unternehmen, das China nicht einbezieht, da dieses Land über riesige und schnell wachsende Waffenvorräte verfügt", sagte US-Außenminister Marco Rubio. Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus , dass China bis 2035 bis zu 1.500 Sprengköpfe besitzen könnte, und damit in etwa so viele wie jeweils die USA und Russland. Außenminister Johann Wadephul (CDU) unterstützte eine Beteiligung Chinas an einem zukünftigen Atomwaffen-Abrüstungsvertrag. Die Regierung in Peking müsse nun zeigen, dass sie "zur Zurückhaltung bereit ist", sagte Wadephul während eines Besuchs in Sydney. Das Auslaufen des New-Start-Vertrags sei besorgniserregend. Es zeige, "wie groß die Aufgabe ist, wieder ein Vertrauen in der Welt zu schaffen". Die USA und Russland haben den New-Start-Vertrag im Jahr 2010 unterzeichnet. Er war der jüngste in der Reihe wichtiger Rüstungskontrollverträge zwischen den beiden Atommächten. Das Abkommen verpflichtete sie dazu, jeweils nicht mehr als 1.550 einsatzfähige Atomsprengköpfe und maximal 700 Trägersysteme wie Interkontinentalraketen und Langstreckenbomber zu besitzen. 2021 war der Vertrag ausgelaufen, wurde damals aber um fünf Jahre verlängert.