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10.01.2026
13:49 Uhr
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Papst Leo XIV. fand in seiner ersten Neujahrsansprache überraschend deutliche Worte. Statt über klassische kirchliche Themen sprach er unter anderem über Venezuela.

Papst Leo XIV. hat bei seiner ersten Neujahrsansprache militärische Übergriffe auf Territorien anderer Staaten so deutlich wie noch nie angeprangert. Vor Diplomatinnen und Diplomaten aus mehr als 180 Ländern warnte er vor einer wachsenden Bereitschaft zum Krieg und einem Rückzug vom multilateralen Dialog. Weltweit setzten Staaten Militärgewalt ein, um ihre Herrschaftsgebiete zu sichern. Das untergrabe die internationale Rechtsordnung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg gebildet habe. "Der Krieg ist wieder in Mode und die Kriegsbegeisterung breitet sich aus", beklagte der Papst. Er hielt seine Ansprache vor dem Hintergrund der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär und des anhaltenden Kriegs Russlands in der Ukraine sowie anderer Konflikte. Den US-Einsatz in Caracas nannte er nicht ausdrücklich beim Namen. Doch mahnte der Papst , "den Willen des venezolanischen Volkes zu respektieren und sich für den Schutz der Menschen- und Bürgerrechte aller einzusetzen". Der gebürtige Amerikaner Leo beließ es nicht bei der für den Diplomatenempfang des Vatikans üblichen Aufzählung globaler Krisenherde und Themen, die der katholischen Kirche wichtig sind , wie Religionsfreiheit, Abtreibung und Leihmutterschaft. "Frieden mit Waffen" Der Papst beklagte, die Vereinten Nationen und der Multilateralismus insgesamt seien zunehmend bedroht. "Eine Diplomatie, die den Dialog fördert und einen Konsens zwischen allen Parteien anstrebt, wird durch eine Diplomatie ersetzt, die auf Gewalt beruht, sei es durch Einzelpersonen oder Gruppen von Verbündeten", kritisierte er. Der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgestellte Grundsatz, der es den Staaten verbiete, Gewalt anzuwenden und die Grenzen anderer Länder zu verletzen, sei völlig ausgehöhlt worden. "Stattdessen wird der Frieden mit Waffen als Voraussetzung für die Durchsetzung der eigenen Herrschaft gesucht", sagte Leo. "Das bedroht aufs Schwerste die Herrschaft des Rechts, die die Grundlage jedes friedlichen zivilen Zusammenlebens ist." "Sprache mit orwellschem Beigeschmack" Der Papst übte auch Kritik an der Einschränkung von Meinungs- und Gewissensfreiheit in westlichen Demokratien . Gerade in Ländern, die sich zu Freiheit, Pluralismus und Demokratie bekennen, werde der Raum für abweichende Positionen immer kleiner, so Leo XIV. Wörtlich sagte er, es sei "bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird". Es entwickle sich "eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack", so Leo XIV., die Andersdenkende ausschließe.