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21.02.2026
11:41 Uhr
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In Neapel verpflanzten Ärzte einem kleinen Jungen ein irreparabel beschädigtes Spenderherz. Nach dem Tod des Jungen laufen Ermittlungen gegen das medizinische Personal.

In Italien ist ein zweijähriger Junge an den Folgen einer fehlerhaften Herztransplantation gestorben. Wie das behandelnde Krankenhaus in Neapel mitteilte, starb das Kind "infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands" auf der Intensivstation. Das Spenderherz für den Jungen war beim Transport falsch gekühlt und irreparabel beschädigt worden. Inzwischen ermitteln verschiedene Staatsanwaltschaften gegen sechs Ärzte und Sanitäter. Wegen eines schweren Herzfehlers brauchte das Kind ein Ersatzorgan. Ein Spenderherz, das im norditalienischen Bozen gefunden wurde, war bei dem Transport nach Neapel jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern war mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt gekommen. Statt plus vier Grad war es daher Temperaturen von etwa minus 80 Grad ausgesetzt. Es sei "buchstäblich erfroren", hieß es. Da die Ärzte das Herz des Jungen aber schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem eingesetzt. Über mehrere Wochen hielten sie das Kind mit einer Maschine am Leben. Die Eltern wussten nach eigenen Angaben zunächst nichts von dem Fehler. Kein weiteres Spenderherz gefunden Erfolglos wurde in dieser Zeit europaweit nach einem Ersatzorgan gesucht. Der Junge stand nach italienischen Medienberichten auf der Liste der möglichen Empfänger eines Spenderherzens mit derselben Blutgruppe ganz oben. Am Mittwoch entschied ein Team von Ärztinnen und Ärzten dann, dass eine neue Operation zur möglichen Transplantation eines neuen Herzens zwecklos sei. Andere Organe wie die Nieren hätten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr richtig funktioniert. Das gesamte medizinische Team stehe der Familie "in diesem Moment unermesslichen Schmerzes mit Respekt und aufrichtiger Anteilnahme" bei, teilte das Krankenhaus zum Tod des Kindes mit. Der Umgang der Klinik mit dem Fall wird indessen von vielen kritisiert. Die Mutter hatte berichtet, von den Gründen der misslungenen Operation erst aus der Zeitung erfahren zu haben. Unabhängige Ärzte sehen weiteren Behandlungsfehler "Ich bin wirklich am Boden zerstört. Was meinem Kind passiert ist, darf sich nie wiederholen", sagte sie nach der Entscheidung des Ärzteteams, nicht noch einmal zu operieren. Andere Ärztinnen und Ärzte sehen in der Arbeit ihrer Kollegen weitere Fehler. Diese hätten den Jungen mit einer ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung) am Leben gehalten, einer Maschine, die Blut über eine künstliche Lunge mit Sauerstoff anreichert. Mit einem sogenannten Berliner Herz – eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt – könnten Patienten deutlich länger überleben. Der Fall des kleinen Jungen beschäftigt die italienische Öffentlichkeit seit Wochen. Verschiedene Staatsanwaltschaften haben Ermittlungen gegen Beteiligte eingeleitet. Die Kühlbox, in der das Herz transportiert wurde, ist beschlagnahmt. In der Klinik in Neapel wurden zudem interne Prüfungen eingeleitet. Die beteiligten Ärzte übernehmen bis auf Weiteres keine Herztransplantationen mehr. Mehr als 13.000 Menschen in Europa benötigen derzeit dringend ein neues Organ. Allein in Deutschland warteten nach Angaben der Stiftung Organtransplantation zum Jahresende mehr als 1.100 Menschen auf ein Spenderherz. Wie viele Kinder darunter sind, ist nicht bekannt. Im vergangenen Jahr haben in Deutschland 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet.