Zeit 23.01.2026
20:49 Uhr

Nato in Afghanistan : Trump empört mit Aussage über angeblich kampfscheue Nato-Truppen


US-Präsident Donald Trump äußert seine Geringschätzung über die Nato-Unterstützung für die USA in Afghanistan. In Großbritannien und Polen ist die Empörung groß.

Nato in Afghanistan : Trump empört mit Aussage über angeblich kampfscheue Nato-Truppen
US-Präsident Donald Trump hat sich abschätzig über den Beistand der Nato in Afghanistan geäußert und damit Briten und Polen verärgert. Dem Sender Fox News sagte Trump, die USA hätten die Nato in Afghanistan "nie gebraucht" und die Allianz "nie wirklich um irgendetwas gebeten". Im Nachgang des 11. September 2001 hätten Nato-Staaten Truppen nach Afghanistan entsandt, diese aber seien "etwas abseits der Frontlinien" hinter US-Soldaten zurückgeblieben. "Sie haben sich etwas zurückgehalten", sagte Trump. In Großbritannien löste das Empörung aus. Der US-Präsident habe die Rolle der Nato-Truppen "zu Unrecht" heruntergespielt, sagte ein Sprecher des britischen Premiers, Keir Starmer . 457 Briten hätten bei den Einsätzen ihr Leben verloren. "Ihr Opfer und das anderer Nato-Streitkräfte wurde im Dienst der kollektiven Sicherheit und als Reaktion auf einen Angriff auf unseren Verbündeten gebracht." Verteidigungsminister John Healey würdigte die mehr als 150.000 Afghanistanveteranen Großbritanniens als "Helden". Starmer selbst sagte später: "Ich halte die Äußerungen von Präsident Trump für beleidigend und offen gesagt für entsetzlich, und es überrascht mich nicht, dass sie den Angehörigen der Gefallenen und Verletzten und dem ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben." Zuvor hatte die Mutter eines britischen Veteranen der Nachrichtenagentur PA gesagt, Trumps Worte seien beleidigend und schwer erträglich. Großbritannien hatte nach den USA das zweitgrößte Kontingent an Truppen nach Afghanistan gesandt. Kritik an Trumps Aussagen kommt auch von Prinz Harry, dem jüngsten Sohn von König Charles, der selbst als Soldat in Afghanistan war. "Ich habe dort gedient, ich habe Freunde fürs Leben gemacht. Und ich habe Freunde verloren", heißt es in einer Mitteilung des Prinzen, der in Kalifornien lebt. Tausende Leben seien für immer verändert worden, Eltern hätten ihre Kinder begraben müssen und Kinder ihre Eltern verloren. Diese Opfer verdienten es, dass man mit Wahrhaftigkeit und Respekt über sie spreche. USA baten Nato nachweislich um Hilfe Auch im EU- und Nato-Land Polen stießen Trumps Worte auf Widerspruch. Polnische Soldaten hätten in Afghanistan und im Irak ihr Leben für die internationale Sicherheit gelassen, sagte Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz. "Dieses Opfer wird nie vergessen werden und darf nicht herabgewürdigt werden." Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel fünf des Natovertrags aktiviert. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten, allen voran Großbritannien, sich am Krieg gegen Terroristen der Taliban und Al Kaida beteiligten. Es war das erste und bisher einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde. Der damalige britische Premier Tony Blair hatte nach den Anschlägen erklärt, Großbritannien werde im Krieg gegen Terrorgruppen "Schulter an Schulter" mit den USA stehen.