Zeit 15.02.2026
11:44 Uhr

Münchner Sicherheitskonferenz: EU-Außenbeauftragte Kallas weist US-Kritik an Europa zurück


Kaja Kallas hat Unverständnis über die US-Kritik an der Pressefreiheit in Europa geäußert. US-Außenminister Marco Rubio habe seine Rede wohl auch an US-Wähler gerichtet.

Münchner Sicherheitskonferenz: EU-Außenbeauftragte Kallas weist US-Kritik an Europa zurück
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hält die Kritik von US-Politikern an der Europäischen Union für unangemessen. Es falle ihr "sehr schwer", diese Vorwürfe zu glauben, sagte sie während der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) . Als Beispiel nannte sie Kritik an der Pressefreiheit aus einem Land, das auf Platz 58 im Pressefreiheitsindex stehe, wogegen ihre Heimat Estland auf dem zweiten Platz gelistet werde. Kallas betonte, dass die Rede von US-Außenminister Marco Rubio sowohl Botschaften für die Europäer als auch Botschaften für die Öffentlichkeit in den USA enthalten habe, insbesondere für die dortigen Wähler. Kritik an den europäischen Staaten sei "gerade sehr in Mode", so die EU-Außenbeauftragte – trotz all "der guten Dinge, die Europa tatsächlich zu bieten" habe. Zugleich habe Rubios Rede klargemacht, "dass Amerika und Europa miteinander verflochten sind, es in der Vergangenheit waren und auch in Zukunft sein werden. Ich halte das für wichtig." Rubio spricht von "Klima-Kult" Kallas sagte zudem: "Wenn ich um die Welt reise, sehe ich Länder, die zu uns aufschauen, weil wir Werte vertreten, die immer noch hoch im Kurs stehen." Sie nannte die Verteidigung der Menschenrechte und den Wohlstand als Teil davon. Der US-Außenminister Rubio hatte in seiner Rede den globalen Führungsanspruch der USA wiederholt, dabei aber einen ruhigeren Ton gesetzt als Vizepräsident JD Vance im vergangenen Jahr . Er sprach von einer "Freundschaft" der Vereinigten Staaten mit der EU, kritisierte dem Duktus der Präsidentschaft Donald Trumps folgend aber einen "Klima-Kult" sowie eine vermeintliche "Welle der Massenmigration". Kallas fordert russische Zugeständnisse Kallas äußerte sich zudem zum Krieg gegen die Ukraine. "Wenn wir einen nachhaltigen Frieden wollen, dann brauchen wir auch Zugeständnisse von russischer Seite", sagte sie. Europa habe dabei viele Mitsprachemöglichkeiten. So könnten die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ebenso wie der Umgang mit den eingefrorenen russischen Vermögenswerte europäische Entscheidungen sein. Nach den Worten Kallas' werden Russland und Amerika die Europäer bei ernsthaften Gesprächen über den Frieden einbinden müssen. "Jetzt kommt ein Punkt, an dem auch die Russen verstehen, dass die Dinge, die sie tatsächlich brauchen oder von denen sie glauben, dass die Amerikaner sie ihnen liefern werden, von Europa abhängig sind", sagte Kallas. Reden von Lagarde und Ischinger für Sonntag geplant Die 62. Münchner Sicherheitskonferenz geht am heutigen Sonntag Ende. Neben der Rede von Kallas sind für den finalen dritten Tag Auftritte der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, sowie des MSC-Vorsitzenden Wolfgang Ischinger geplant. Die diesjährige Konferenz stand im Zeichen des Umbruches der Weltordnung durch die Krise in den transatlantischen Beziehungen. Ein weiterer Schwerpunkt war der Ukraine-Krieg . Parallel zur Sicherheitskonferenz fand am Samstag außerdem eine Großkundgebung gegen die iranische Führung statt, an der in der bayerischen Landeshauptstadt 250.000 Menschen teilnahmen .