Zeit 10.12.2025
15:09 Uhr

Monsanto: Fachzeitschrift zieht zentrale Glyphosat-Studie nach 25 Jahren zurück


Eine Studie zur Sicherheit des Pestizids Glyphosat, auf die sich der frühere Hersteller Monsanto berufen hatte, wurde zurückgezogen. Die Unabhängigkeit steht infrage.

Monsanto: Fachzeitschrift zieht zentrale Glyphosat-Studie nach 25 Jahren zurück
Eine Studie aus dem Jahr 2000, die eine zentrale Rolle in der Debatte um die Sicherheit des Pestizids Glyphosat spielt, ist von der Fachzeitschrift Regulatory Toxicology and Pharmacology formell zurückgezogen worden. Das Papier war ein wichtiges Argument für Angaben des früheren Herstellers Monsanto , das Herbizid Roundup und sein Wirkstoff Glyphosat hätten keine krebserregenden Wirkungen. Die Studie habe weithin als wegweisend in der Debatte gegolten, teilte der Fachverlag Elsevier, in dem das Fachblatt erscheint, mit. Nun sei jedoch unklar, ob die gezogene Schlussfolgerung – dass Glyphosat und das Präparat Roundup nicht krebserregend seien – tatsächlich korrekt ist. Demnach gibt es mehrere Punkte, die zur Rücknahme führten. Es wurden Bedenken hinsichtlich der Urheberschaft der Studie, der Gültigkeit der Ergebnisse im Zusammenhang mit einer falschen Darstellung der Beiträge der Autoren und des Studiensponsors sowie potenzieller Interessenkonflikte der Autoren geäußert, wie der zuständige Chefredakteur Martin van den Berg in der Mitteilung schreibt. Mangelnde Unabhängigkeit Die Schlussfolgerungen der Studie hinsichtlich der Karzinogenität von Glyphosat – also der Frage, ob das Pestizid Krebs erzeugt oder fördert – basierten ausschließlich auf Studien von Monsanto, die kein tumorauslösendes Potenzial zeigten, schreibt van den Berg. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung habe es andere Langzeitstudien zur chronischen Toxizität und Karzinogenität gegeben, deren Daten nicht berücksichtigt worden seien. Die drei in der Studie genannten Autoren sollen demnach nicht allein für den Inhalt verantwortlich gewesen sein. Das geht der Mitteilung zufolge aus Korrespondenzen hervor, die im Zuge eines US-Rechtsstreits bekannt wurden. Stattdessen sollen möglicherweise Mitarbeiter von Monsanto ohne ordnungsgemäße Nennung als Mitautoren an der Erstellung mitgewirkt haben. Die Beiträge, die anscheinend von Mitarbeitern von Monsanto als Mitautoren verfasst wurden, wurden in den Danksagungen demnach nicht ausdrücklich als solche erwähnt. Kein Vertrauen in die Ergebnisse Weitere während des Rechtsstreits offengelegte Korrespondenz mit Monsanto deutet der Mitteilung zufolge darauf hin, dass die drei offiziell genannten Autoren möglicherweise eine finanzielle Vergütung von Monsanto für ihre Arbeit an der Studie erhalten haben. Dies sei nicht offengelegt worden. Angesichts dieser Punkte gebe es kein Vertrauen mehr in die Ergebnisse und Schlussfolgerungen, was die Rücknahme notwendig mache, heißt es von van den Berg. Die Studie gehört laut einem Artikel von Environmental Science & Policy zu den 0,1 Prozent der meistzitierten Studien in der Forschung zu Glyphosat. Die Enthüllungen über Monsantos mutmaßlich verdeckte Beteiligung hätten daran kaum etwas verändert, hieß es darin. Bayer weist Kritik zurück In einer Stellungnahme des Konzerns Bayer , der Monsanto 2018 übernommen hatte, hieß es: "Von Monsanto hat sich niemand als Autor beteiligt und der Bezug des Unternehmens zu dem Papier wurde ordnungsgemäß offengelegt." Bei der zurückgezogenen Studie handele es sich um einen reinen Übersichtsartikel ordnungsgemäß eingereichter Studien, sagte Konzernsprecher Philipp Blank der Nachrichtenagentur dpa. "Glyphosat ist das in den letzten 50 Jahren am umfassendsten untersuchte Herbizid." Unter führenden Regulierungsbehörden weltweit herrsche Einigkeit, dass Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung sicher sei. Glyphosat gilt nach Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen. Behörden wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und das Bundesinstitut für Risikobewertung sehen bei Einhaltung der Anwendungsregeln kein relevantes Krebsrisiko. Die IARC beurteilte die Krebsgefahr, also die generelle Möglichkeit, dass Glyphosat Krebs verursacht. In die Bewertung der Behörden floss das Alltagsrisiko als Faktor ein. Die Efsa bewertet das Krebsrisiko bei den Mengen, die ein Mensch üblicherweise etwa über Lebensmittel aufnimmt, als vernachlässigbar.