Zeit 10.12.2025
13:10 Uhr

Monogamie : Mensch zählt zu kleiner Minderheit monogamer Säuger


Weniger als zehn Prozent der Säugetier-Arten leben laut einer Studie monogam. Dazu zählen der Eurasische Biber, das Weißhandgibbon – und der Homo sapiens.

Monogamie : Mensch zählt zu kleiner Minderheit monogamer Säuger
Der moderne Mensch lebt im Vergleich zu den meisten anderen Säugetieren partnertreu. Das hat der Evolutionsanthropologe Mark Dyble von der Universität Cambridge herausgefunden, indem er den Menschen mit 34 anderen Säugerarten verglich. Konkret untersuchte er bei jeder Spezies das Verhältnis von Vollgeschwistern zu Halbgeschwistern – Vollgeschwister haben dieselben Eltern, Halbgeschwister nur einen gemeinsamen Elternteil. Der Anteil der Vollgeschwister beträgt demnach beim Menschen im Durchschnitt etwa 66 Prozent, bei ihnen leben also Mutter und Vater monogam . Damit rangiert der Homo sapiens in der Liste der untersuchten Arten zwischen Eurasischem Biber (73 Prozent) und Weißhandgibbon (64 Prozent), wie Dyble im Fachblatt Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences schreibt. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter – der Kalifornischen Maus – beträgt der Anteil 100 Prozent. Beim Afrikanischen Wildhund sind es 85 Prozent, beim Damara-Graumull und beim Äthiopischen Wolf jeweils knapp 80 Prozent. Große Mehrheit hat bei der Paarung "eine weit promiskere Herangehensweise" Insgesamt sind der Studie zufolge nur neun Prozent der Säugetier-Spezies monogam. "Die große Mehrheit hat bei der Paarung eine weit promiskere Herangehensweise", schreibt Dyble in einer Mitteilung zur Studie. Zu den Schlusslichtern der Liste zählen demnach der Große Tümmler mit vier Prozent und der Orca mit drei Prozent. Am seltensten sind Vollgeschwister beim Soayschaf auf der gleichnamigen schottischen Insel (0,6 Prozent). Beim Menschen gilt Monogamie laut Dyble auch für jene Gesellschaften, bei denen Männer mehrere Frauen oder aber Frauen mehrere Männer haben. "In menschlichen Paarungs- und Heiratspraktiken gibt es eine riesige kulturelle Vielfalt ", schreibt der Wissenschaftler: "Aber selbst die Extreme in diesem Spektrum liegen oberhalb dessen, was wir bei den meisten nicht monogamen Arten sehen." Dyble geht davon aus, dass die Partnertreue des Menschen die Entwicklung großer Verwandtschaftsnetzwerke begünstigt hat. Das sei der erste Schritt zur Schaffung großer Gesellschaften und zu Netzwerken des kulturellen Austauschs gewesen.